Die Deutsche Bank fährt derzeit einen Doppelangriff: Im Zahlungsverkehr setzt sie auf smarte Technologie, bei der privaten Altersvorsorge auf den Preis. Beide Vorstöße zielen auf dasselbe Ziel — mehr Kunden binden, bevor es die Konkurrenz tut.

Neue Waffe gegen Zahlungsbetrug

Gemeinsam mit dem in Singapur ansässigen Unternehmen IPID plant die Deutsche Bank eine strategische Partnerschaft im Bereich der Zahlungsentscheidungsintelligenz. Die Bank nutzt bereits ausgewählte Betrugspräventions-Lösungen von IPID und will diese nun über das gesamte globale Zahlungsverkehrsgeschäft ausrollen.

Ziel ist es, Zahlungen schneller, sicherer und mit besserer Betrugserkennung abzuwickeln — ein Feld, auf dem sich Banken angesichts wachsender regulatorischer Anforderungen und steigender Transaktionsvolumina zunehmend differenzieren müssen.

Kampfansage an Neobroker

Beim neuen Altersvorsorgedepot, das zum 1. Januar 2027 starten soll, geht die Bank in die Preisoffensive. Das digitale Standarddepot der Fondstochter DWS kostet in den ersten beiden Jahren 0,10 Prozent jährlich, danach steigt die Gebühr auf 0,28 Prozent.

Zum Vergleich: Scalable Capital nennt für sein Standarddepot laufende Kosten von bis zu 0,15 Prozent, die Deka verlangt 0,10 Prozent. Zum Start ist die Deutsche Bank damit konkurrenzfähig positioniert.

Wer Beratung wünscht, kann ein erweitertes DWS-Vorsorgedepot wählen — hierfür werden 0,99 Prozent pro Jahr fällig, plus mögliche Transaktionskosten. Hinzu kommen gemeinsam mit der Zurich entwickelte Versicherungslösungen, wahlweise mit oder ohne Garantie. Mit 19 Millionen Kunden bei Deutscher Bank und Postbank verfügt der Konzern über eine Reichweite, die selbst bei geringer Konversionsquote spürbare Erträge bringen könnte.

Kritische Stimmen befürchten, günstige Einstiegspreise könnten später angehoben werden. Deutsche-Bank-Manager Raffael Gasser weist das zurück und verweist auf die gesetzlich vorgeschriebene viermonatige Ankündigungsfrist für Preisänderungen.

Beide Initiativen fügen sich in ein Jahr, in dem die Bank operativ geliefert hat: steigende Erträge, Rekordgewinne und eine zweistellige Eigenkapitalrendite prägten die vergangenen Quartale. Der jüngste Kursrücksetzer zeigt jedoch, dass Anleger inzwischen genauer hinschauen, ob dieses Tempo zu halten ist. Neue Ertragsquellen wie das Vorsorgedepot und effizientere Zahlungsabwicklung könnten dabei helfen, den Rekordkurs operativ zu untermauern.