Die geplante 300-Milliarden-Dollar-Fusion zwischen Deutscher Telekom und ihrer US-Tochter T-Mobile US steht vor dem Aus. Führungskräfte von T-Mobile US haben der Konzernmutter mitgeteilt, das Vorhaben nicht mehr zu unterstützen. Das berichtete Semafor am Sonntag über die Nachrichtenplattform The Next Web. Die Minderheitsaktionäre von T-Mobile US hätten den Deal demnach blockiert.

Die Gespräche über den Zusammenschluss hatten in diesem Jahr begonnen. Nun rechnen Beobachter mit erheblichen regulatorischen Hürden: Eine Prüfung durch das US-Ausschussgremium CFIUS gilt als wahrscheinlich und hätte dem Vernehmen nach zusätzliche Auflagen mit sich gebracht. Deutsche Telekom bleibt nach aktuellem Stand Mehrheitsaktionärin von T-Mobile US, ein Zusammenschluss der beiden Einheiten rückt damit vorerst in weite Ferne.

US-Tochter liefert operativ, hebt Prognose an

Während die Fusionspläne ins Stocken geraten, präsentiert sich T-Mobile US operativ robust. Der US-Mobilfunkanbieter erzielte im vergangenen Jahr rund 18 Milliarden Dollar bereinigten freien Cashflow und schüttete daraus Dividenden in Milliardenhöhe an seine Aktionäre aus. Am Sonntag hob das Unternehmen seine Cashflow-Prognose weiter an, auf nunmehr 18,8 Milliarden Dollar, wie eine Meldung vom selben Tag zeigt.

Für Anleger der Deutschen Telekom ist diese Entwicklung durchaus zweischneidig: Ein finanziell erstarktes T-Mobile US bleibt zwar ein wertvoller Vermögensgegenstand im Konzernportfolio. Gleichzeitig unterstreicht die eigenständige Stärke der US-Tochter aber auch, warum deren Management und Minderheitsaktionäre wenig Anreiz sehen, die Kontrolle in einer Mega-Fusion mit dem deutschen Mutterkonzern aufzugeben.

Niederlage beim Glasfaserausbau in Heidelberg

Parallel zur Entwicklung in den USA musste die Deutsche Telekom am Sonntag eine juristische Schlappe in Deutschland hinnehmen. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat den Konzern verpflichtet, bereits verlegte Glasfaserleitungen wieder zu entfernen. Auslöser war eine Klage der Heidelberger Wohnungsbaugesellschaft GGH, die den Rückbau der Anschlüsse gefordert hatte. Nach Auffassung des Gerichts reichte ein bloßer Mietvertrag mit einzelnen Bewohnern nicht aus, um die Verlegung zu rechtfertigen — die erforderliche Zustimmung der Eigentümerin fehlte. In der 50 Seiten starken Urteilsbegründung kritisierten die Richter die Installation als amateurhaft ausgeführt.

Der Fall zeigt, wie stark der bundesweite Glasfaserausbau der Telekom von rechtlichen Zustimmungsfragen abhängt. Bereits in der Vergangenheit hatte der Konzern auf schnellere Genehmigungsverfahren gedrängt und Kooperationen mit anderen Netzbetreibern vorangetrieben, um den Ausbau zu beschleunigen. Ein Urteil wie das aus Karlsruhe dürfte solche Vorhaben zusätzlich verzögern, sollte es Nachahmer bei anderen Wohnungsbaugesellschaften finden.

Kurs bleibt unter Druck

An der Börse hinterlässt die Gemengelage aus geplatzten Fusionsfantasien und operativen Lichtblicken bislang Spuren. Die Aktie schloss am Freitag bei 26,85 Euro, ein Minus von 0,63 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Kursrückgang von 14,90 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro fehlen inzwischen mehr als ein Fünftel. Die zuletzt schwächelnde Kursentwicklung dürfte auch mit den schwindenden Aussichten auf die milliardenschwere US-Fusion zusammenhängen, die viele Anleger als Wertsteigerungshebel für den Konzern gesehen hatten.

Für die Deutsche Telekom bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite liefert die US-Tochter mit steigenden Cashflow-Prognosen weiter solide Zahlen. Auf der anderen Seite belasten sowohl das vorläufige Scheitern der großen Fusionsvision als auch juristische Rückschläge beim heimischen Netzausbau das Sentiment. Anleger dürften in den kommenden Wochen genau beobachten, ob sich die Konzernführung neu zu den Fusionsplänen positioniert oder das Thema endgültig zu den Akten legt.