Große Investoren stemmen sich gegen den Fusionsplan von CEO Timotheus Höttges. Der Aktienkurs steigt trotzdem kräftig. Diese Gegensätze prägen aktuell die Deutsche Telekom.

Am Freitag legte die Aktie um 3,40 Prozent zu und schloss bei 26,15 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,77 Prozent zu Buche. Der Blick auf die letzten 30 Tage zeigt allerdings ein anderes Bild: Dort liegt das Papier noch 8,18 Prozent im Minus.

Investoren zweifeln an der Fusion

Höttges treibt eine engere Verzahnung mit der Tochter T-Mobile US voran. Namhafte Fondsmanager wie Jens Ehrhardt von DJE Kapital und Martin Wirth von FPM äußern deutliche Kritik daran. Ein Top-30-Aktionär sieht laut Medienberichten keinen klaren Mehrwert für die Aktionäre der Muttergesellschaft und fordert vom Management eine bessere Erklärung der Strategie.

Auch die Bundesregierung gilt als skeptisch. Sie hält rund 28 Prozent der Anteile am Bonner Konzern. Die UBS bringt sogar ein Argument gegen die eigene Skepsis-These ins Spiel: Eine offizielle Absage der Fusion könnte als „positiver Katalysator“ wirken, weil sie Unsicherheit vom Markt nimmt.

JPMorgan sieht eine historische Chance

Während die einen zweifeln, bleibt JPMorgan bullish. Analyst Akhil Dattani bestätigte am Wochenende sein „Overweight“-Rating. Sein Kursziel von 40 Euro entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 53 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.

Dattani begründet seine Einschätzung mit einer „historischen Bewertungslücke“. Diese habe sich nach dem rund 30-prozentigen Kursrückgang seit März 2025 aufgetan. Er erwartet weiterhin zweistelliges Gewinnwachstum je Aktie.

Sein Argument: T-Mobile US liefert bereits etwa zwei Drittel des operativen Konzernergebnisses. Der Markt bilde diese operative Stärke bislang nicht ausreichend im Kurs ab.

Charttechnik: Diese Marken zählen jetzt

Am 30. Juni markierte die Aktie bei 23,54 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Seitdem hat sich der Kurs stabilisiert, bleibt aber deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus dem Februar. Der Abstand dazu beträgt fast 24 Prozent.

Für die kommende Woche zeichnen sich klare Marken ab:

  • Widerstand: 26,18 Euro als unmittelbare Hürde, danach der 50-Tage-Durchschnitt bei 27,38 Euro
  • Nächstes Ziel bei Ausbruch: 200-Tage-Durchschnitt bei 28,68 Euro
  • Unterstützung: Zone zwischen 23,13 und 23,47 Euro als Absicherung nach unten

Der RSI von 48,2 zeigt derzeit keine Überkauft- oder Überverkauft-Situation. Die annualisierte Volatilität von rund 31 Prozent deutet aber weiterhin auf schwankungsanfällige Kurse hin.

Für die kommende Handelswoche dürften zwei Themen den Kurs bewegen: neue Aussagen des Managements zur Fusionsfrage und die Resonanz auf das KI-Geschäft der Tochter T-Systems. Diese hat kürzlich zusammen mit NVIDIA eine „Industrial AI Cloud“ in München gestartet, um europäische Sicherheitsstandards im Cloud-Bereich zu setzen. Laut Branchendaten haben zuletzt rund 20 Prozent der Unternehmen ihre Daten von globalen Cloud-Anbietern zurückgeholt – ein Trend, von dem T-Systems profitieren könnte.