Die Deutsche Telekom hat eine mögliche Fusion mit ihrer US-Tochter T-Mobile US vorerst zurückgestellt. Das berichtete Reuters am Donnerstag. Ein formelles Angebot habe der Konzern nicht vorgelegt. Als einen Grund nennt die Nachrichtenagentur Widerstand des Betriebsrats. Damit rückt eine mögliche Neuordnung des Konzerns zunächst in den Hintergrund. Ein späterer neuer Anlauf bleibt dem Bericht zufolge möglich.

Kein endgültiger Abschied von der Fusion

Für Anleger ist die Unterscheidung zwischen einer Vertagung und einer endgültigen Absage entscheidend. Reuters beschreibt keinen abgeschlossenen Verzicht auf die Transaktion. Zugleich gibt es dem Bericht zufolge kein formelles Angebot, an dessen Konditionen sich die möglichen Folgen für Aktionäre bemessen ließen.

Der Widerstand des Betriebsrats zeigt, dass eine solche Neuordnung nicht allein von finanziellen Überlegungen abhängt. Die vorläufige Zurückstellung lässt deshalb die strategische Option offen, ohne bereits eine Umsetzung zu signalisieren. Eine Fusion ist damit weder beschlossen noch endgültig ausgeschlossen.

Unabhängig davon liefert das operative Geschäft der US-Tochter konkrete Anhaltspunkte für die Bewertung der Deutschen Telekom. Die jüngsten Geschäftszahlen stehen dabei neben der offenen Strukturfrage.

US-Tochter wächst trotz Wettbewerbssorgen

Laut dpa-AFX vom Donnerstag erzielte T-Mobile US im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 23,6 Milliarden US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von 9,6 Milliarden US-Dollar.

Die Tochter wurde zudem beim Ausblick auf den operativen Gewinn und den Zahlungsmittelzufluss optimistischer. Das liefert ein operatives Gegengewicht zu den Wettbewerbssorgen, die zuvor auf der Telekom-Aktie gelastet hatten.

Die Entwicklung des US-Geschäfts bleibt auch ohne Fusionsangebot ein wichtiger Bezugspunkt für Telekom-Anleger.

Analysten zwischen Zuversicht und Technologierisiken

JPMorgan beließ die Deutsche Telekom am Donnerstag auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 38 Euro. Eine neue Hochstufung oder eine Anhebung des Kursziels war damit nicht verbunden.

Eine vorsichtigere Bewertung hatte zuvor Barclays vorgenommen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht allein kurzfristige Kundenzahlen, sondern mögliche technologische Veränderungen in der Telekommunikationsbranche.

Am 20. Oktober senkte Barclays das Kursziel auf 32 Euro und behielt „Overweight“ bei. Analyst Maurice Patrick verwies auf Risiken durch Satellitentechnologie und agentische KI.

Für Anleger stehen damit unterschiedliche Ebenen nebeneinander: Die mögliche Fusion bleibt eine offene strategische Option. Das operative Wachstum der US-Tochter und deren optimistischerer Ausblick liefern dagegen bereits konkrete Bewertungsgrundlagen. Die vertagte Transaktion sollte deshalb nicht mit einer Verschlechterung des laufenden Geschäfts gleichgesetzt werden.