Die Telekom-Aktie gibt am Freitag um mehr als drei Prozent nach. Auslöser ist erneut die Sorge vor einem neuen Wettbewerber im wichtigsten Markt des Konzerns: SpaceX drängt ins US-Mobilfunkgeschäft.

Warum SpaceX den Sektor beschäftigt

Den Anfang machte am 9. Oktober der Kauf eines landesweiten 800-MHz-Low-Band-Spektrums von Grain Management durch SpaceX. Mit Starlink könnte das Unternehmen zu einem bedeutenden Mobilfunkanbieter in den USA werden. Die Aktien von Telekom, Orange, Telefónica, Vodafone und BT gaben daraufhin nach, Funkmasten-Betreiber wie Cellnex und Inwit legten zu.

Bernstein-Analystin Madison Rezaei zeigte sich nicht überrascht. Das Szenario habe man als sehr wahrscheinlich eingestuft, der Abschluss komme aber rund einen Monat vor dem geplanten Ende der Auktion. Sie geht davon aus, dass sich SpaceX die Option eines terrestrischen Netzaufbaus offenhält.

Für die Telekom wiegt das schwer. Knapp zwei Drittel des Konzernumsatzes stammten im zweiten Quartal aus dem Segment USA. Der Konzern selbst nennt schärferen Wettbewerb als erwartet ausdrücklich als Risikofaktor. Hinzu kommt ein Bericht vom 19. Oktober, wonach Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone ein gemeinsames Gebot für Satellitenfrequenzen prüfen.

BofA bleibt konstruktiv

Bank of America Global Research sieht im verunsicherten Sektor dennoch Chancen. Die Bank hob ihre Schätzungen für Umsatz und EBITDAaL der Telekom für 2026 um jeweils 1,0 Prozent an. Der Grund liegt im stärkeren Dollar, nicht in besserem operativem Geschäft. Für das dritte Quartal rechnet BofA mit 30,98 Milliarden Euro Umsatz, der Markt erwartet 30,47 Milliarden Euro.

Ein Umsatz über Konsens wäre also zum Teil ein Währungseffekt. Die Qualität des Wachstums zeigt sich eher im bereinigten EBITDA AL und im Free Cashflow. Der Konzern hatte im August an seiner Prognose von rund 47,5 Milliarden Euro beim bereinigten EBITDA AL festgehalten und nur den Free Cashflow AL auf rund 20 Milliarden Euro angehoben.

Analysten uneins über das Risiko

Der Analystenkonsens lautet laut Datenlage „Strong Buy“ bei einem mittleren Kursziel von 35,20 Euro, hinter dem Votum stehen sieben Kaufempfehlungen und ein Hold. JPMorgan nennt ein Kursziel von 38 Euro, Bernstein kommt mit Hold auf 28,10 Euro. Die Spanne zeigt, wie unterschiedlich das Wettbewerbsrisiko gewichtet wird.

Erste Hinweise auf die Branchenlage liefert Orange mit Zahlen am 27. Oktober. Die Telekom legt am 5. November nach. Dann zeigt sich, ob der Umsatz über dem Konsens liegt und wie sich das bereinigte EBITDA AL ohne Währungseffekt entwickelt.