Die Deutsche Telekom setzt bei ihrer jüngsten Kooperation mit Cloudflare verstärkt auf das margenstarke Firmenkundengeschäft. Während die direkte Zusammenschaltung der beiden IP-Netze die Latenzzeiten für Endkunden verringern soll, erweitert der Bonner Konzern gleichzeitig das Produktportfolio seiner Großkundensparte T-Systems.

T-Systems übernimmt dabei die Beratung, Integration und die Bereitstellung von Managed Services für Sicherheits- und Konnektivitätslösungen des US-Spezialisten.

Damit reagieren die Bonner auf den steigenden Bedarf von Unternehmen an modernen Schutzmechanismen gegen Cyberrisiken. Die Zusammenarbeit zielt insbesondere auf Sicherheitskonzepte im Cloud- und KI-Umfeld ab. Zudem wollen beide Partner gemeinsame Lösungen in den Bereichen digitale Souveränität und Post-Quanten-Kryptografie vorantreiben.

Offene Detailfragen bei der Netzkopplung

Neben den Dienstleistungen für Großkunden soll die direkte Verbindung beider Infrastrukturen vor allem Qualitätsengpässe beseitigen. Cloudflare hatte noch im Jahr 2023 bemängelt, dass Telekom-Kunden teilweise über überlastete Transitnetze auf Inhalte zugreifen mussten. Durch die direkte Übergabe des Datenverkehrs sollen Zwischenstationen entfallen und die Ausfallsicherheit für Internetnutzer gesteigert werden.

Konkrete Rahmenbedingungen für diesen Schritt sind allerdings noch nicht vollständig geklärt. Weder zu den genauen Übergabestandorten noch zur technischen und kommerziellen Umsetzung machten die beteiligten Unternehmen bisher detaillierte Angaben. Auch die Frage, ob der Datenaustausch über ein abrechnungsfreies Peering abgewickelt wird, blieb zunächst offen.

Marktbeobachter reagieren zurückhaltend

An der Börse sorgte die Vereinbarung bislang für wenig Euphorie. Nach einer Analysten-Neubewertung, die den Titel vor gut einer Woche belastete, schloss das Papier der Deutschen Telekom gestern bei 26,11 Euro. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro entspricht dies einem Rückgang um 24 Prozent.

Das Analysehaus Bernstein Research bestätigte seine neutrale Haltung gegenüber den Papieren des Telekommunikationskonzerns. Bei der US-Tochter T-Mobile US stufte Bernstein die Aktie mit „Market-Perform“ und einem Kursziel von 220 US-Dollar ein. Dagegen zeigte sich JPMorgan optimistischer: Die US-Bank führt die US-Tochter mit der Einstufung „Overweight“ und einem Kursziel von 260 US-Dollar.

Für den Bonner Mutterkonzern kommt es in den kommenden Quartalen vor allem darauf an, wie schnell T-Systems die neuen Sicherheitsangebote am Markt monetarisieren kann. Gelingt es, die Kooperation rasch in neue Serviceverträge umzumünzen, könnte das Geschäftskundensegment künftig einen stabileren Ertragsbeitrag leisten.