Sebastian Schulte macht Tempo. Der Deutz-Chef sieht nach der milliardenschweren Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) die Konzernziele für 2030 früher in Reichweite. Analysten hinken dieser neuen Realität allerdings noch hinterher.

CEO erwartet frühere Zielerreichung

Schulte sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die alte Zielformulierung für 2030 habe eine Übernahme dieser Größenordnung nicht vorgesehen. Jetzt rechnet der Manager mit einem schnelleren Kurs.

Das Umsatzziel von vier Milliarden Euro könnte laut Schulte ein bis zwei Jahre früher stehen. Bei der Ebit-Marge von zehn Prozent traut er dem Konzern sogar noch mehr Tempo zu. Die Aussage zeigt: Das Management sieht in FFG mehr als nur einen weiteren Zukauf.

Analysten hängen hinterher

Auf der Investor-Relations-Seite von Deutz stehen aktuell sechs Kursziele. Die DZ Bank sieht 15 Euro, die Quirin Privatbank 14 Euro.

Berenberg, Kepler Cheuvreux, Warburg Research und ODDO BHF liegen zwischen 12 und 13,20 Euro. Warburg Research bestätigt sein „Buy“-Rating mit genau diesem Kursziel von 13,20 Euro.

Ein Problem bleibt: Alle sechs Einschätzungen stammen aus der Zeit vor der FFG-Ankündigung. Kaufpreis, Finanzierung und neue Aktien fehlen komplett in den Modellen. Wer sich an diesen Kurszielen orientiert, blickt derzeit auf eine unvollständige Rechnung.

Kurs bewegt sich seitwärts

Die Deutz-Aktie schloss am Freitag bei 9,35 Euro, ein Minus von 0,95 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,58 Prozent zu Buche.

Auf Monatssicht summiert sich der Anstieg auf 3,37 Prozent, seit Jahresbeginn auf 8,41 Prozent. Binnen zwölf Monaten legte der Titel um 16,66 Prozent zu.

Vom Rekordhoch ist die Aktie trotzdem noch ein Stück entfernt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,49 Euro aus Ende Februar trennt sie noch rund ein Viertel. Zum 52-Wochen-Tief von 7,35 Euro Anfang November beträgt der Abstand 27,21 Prozent.

Der Kurs notiert unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,75 Euro und dem 100-Tage-Durchschnitt von 9,97 Euro. Zur 200-Tage-Linie bei 9,55 Euro beträgt der Abstand nur minus 2,10 Prozent. Der RSI von 49,6 signalisiert ein neutrales Marktumfeld ohne klare Signale.

Volatilität dürfte hoch bleiben

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 42,57 Prozent. Das spiegelt die Unsicherheit rund um den größten Zukauf der Firmengeschichte wider.

Mit einer Marktkapitalisierung von 1,42 Milliarden Euro bleibt Deutz ein überschaubarer Titel. Die kommenden Wochen zeigen, wie schnell Analystenhäuser ihre Modelle an die neue Konzernstruktur mit der Business Unit Defense anpassen. Bis dahin bleibt die Bewertungslücke zwischen Management-Optimismus und Analystenzahlen offen.