Das Bundeskartellamt hat am Freitag den Weg für die bislang größte Übernahme in der Firmengeschichte von Deutz freigemacht. Die Wettbewerbshüter genehmigten den Kauf des Rüstungszulieferers FFG durch den Kölner Motorenbauer. Kartellamtspräsident Andreas Mundt bezeichnete den Zusammenschluss als „wettbewerblich unproblematisch“. Damit ist die wichtigste regulatorische Hürde für den 1,6 Milliarden Euro schweren Deal genommen.

FFG bringt profitables Rüstungsgeschäft mit prallem Auftragsbuch

FFG fertigt Module für den Kampfpanzer Leopard 2 und gilt als profitabel aufgestellt. Im Jahr 2025 setzte das Unternehmen 760 Millionen Euro um, der Auftragsbestand beläuft sich auf 1,9 Milliarden Euro. Mit der Integration der rund 1.100 FFG-Beschäftigten wächst die Deutz-Belegschaft von 6.000 auf etwa 7.100 Mitarbeiter. Ein bemerkenswertes Detail der Transaktion: Die Eigentümerfamilie von FFG erhält im Gegenzug einen Anteil von 29,9 Prozent an Deutz und wird damit zu einem der bedeutendsten Aktionäre des Konzerns.

Deutz-Vorstandschef Schulte nannte FFG „eine der attraktivsten Rüstungsfirmen Europas“ und unterstrich damit, welchen strategischen Stellenwert das Management dem Zukauf beimisst. Der Konzern formuliert das Ziel, sich zum „führenden Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen in Europa“ zu entwickeln. Perspektivisch soll das Rüstungsgeschäft rund zehn Prozent des Konzernumsatzes beisteuern.

Aktionäre entscheiden am 24. August über Kapitalerhöhung

Formal ist der Deal noch nicht in trockenen Tüchern. Die Deutz-Hauptversammlung muss am 24. August einer Kapitalerhöhung zustimmen, mit der ein Teil des Kaufpreises finanziert werden soll. Erst danach kann die Übernahme wie geplant zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 vollzogen werden. Die Größenordnung des Deals verdeutlicht, wie sehr sich Deutz mit dem Zukauf neu positioniert – ein Schritt, der über das bisherige Kerngeschäft mit Motoren für Bau-, Land- und Wassertechnik hinausgeht und den Konzern tiefer in die europäische Verteidigungsindustrie führt.

Parallel zur Rüstungsexpansion treibt Deutz auch das zivile Geschäft voran: Mit der neuen G-Drive-Motorenfamilie für Stromerzeugungsanlagen adressiert der Konzern den wachsenden Markt für dezentrale Energieversorgung, etwa für Rechenzentren. Zwei Baureihen mit Leistungsklassen von 30 bis 800 kVA sollen sowohl weniger regulierte Märkte als auch die strengeren EU-Abgasnormen der Stufe V bedienen.

Kurs reagiert deutlich auf Übernahmenachrichten

Die Börse honorierte die Kartellamts-Freigabe am Freitag mit einem Kursplus von 2,07 Prozent auf 9,86 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht für die Aktie ein Zuwachs von 11,85 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass Anleger die Übernahmepläne bereits im Vorfeld der Kartellamtsentscheidung positiv eingepreist hatten. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, erreicht Ende Februar, fehlen dem Papier dennoch noch gut 21 Prozent.

Die kommenden Wochen dürften für die Aktie richtungsweisend bleiben. Mit der Hauptversammlung am 24. August steht der nächste konkrete Termin fest, an dem sich zeigen muss, ob die Aktionäre die Kapitalerhöhung mittragen und damit den finalen Startschuss für die größte Transaktion der Unternehmensgeschichte geben.