Das Bundeskartellamt hat der Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) durch die Deutz AG zugestimmt. Die Wettbewerbshüter prüften den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren und gaben ihn gestern frei. Kartellamtspräsident Andreas Mundt bezeichnete den Deal als „wettbewerblich unproblematisch“ – die Geschäftsfelder beider Unternehmen überschneiden sich demnach nicht, und FFG zählt nicht zu den bedeutenden Motorenabnehmern des Kölner Konzerns.

FFG stellt Module für den Kampfpanzer Leopard 2 her und hat sich auf gepanzerte Ketten- und Radfahrzeuge spezialisiert. Deutz fertigt Diesel- und Gasmotoren, die bislang vor allem in Landwirtschaft, Bauwirtschaft und bei militärischen Spezialfahrzeugen zum Einsatz kommen. Mit der Übernahme will das Unternehmen nach eigenen Angaben zum „führenden Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen in Europa“ aufsteigen. Die kartellrechtliche Freigabe räumt damit eine zentrale Hürde für den bislang größten Zukauf der Firmengeschichte aus dem Weg.

Größter Deal der Firmengeschichte

Das Volumen der Transaktion beläuft sich auf 1,6 Milliarden Euro – zur Einordnung: Deutz bringt an der Börse aktuell eine Marktkapitalisierung von 1,45 Milliarden Euro auf die Waage. Finanziert werden soll der Kauf über eine Kombination aus Fremdkapital und neuen Aktien. Damit hängt der Abschluss des Geschäfts nicht mehr nur von Behörden ab, sondern auch vom Votum der eigenen Aktionäre. Diese müssen der geplanten Kapitalerhöhung noch zustimmen, ehe die Übernahme final vollzogen werden kann.

Über genau diese Kapitalerhöhung entscheidet die Hauptversammlung am 24. August. Für Anleger markiert dieser Termin damit den eigentlichen Schlusspunkt des monatelangen Übernahmeprozesses – die kartellrechtliche Freigabe war die notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Wie stark die bestehenden Aktionäre durch die neuen Aktien verwässert werden, dürfte in den kommenden Wochen zum zentralen Diskussionspunkt vor der Abstimmung werden.

Der Aktienkurs reagierte am Freitag mit einem Plus von 2,07 Prozent auf 9,86 Euro – ein Signal, dass der Markt die Kartellfreigabe als positiven Fortschritt wertet, auch wenn der eigentliche Härtetest erst mit der Hauptversammlung ansteht. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,49 Euro, erreicht Ende Februar, bleibt das Papier weiterhin ein gutes Stück entfernt.

Rüstungssparte als Wachstumshebel

Der Zeitpunkt der Übernahme fällt in eine Phase, in der deutsche Wehrtechnik-Zulieferer von deutlich anziehenden Verteidigungsbudgets profitieren. Auch andere Branchenvertreter meldeten zuletzt kräftig steigende Auftragsbestände, was die politische Grundtendenz zugunsten höherer Rüstungsausgaben unterstreicht. Für Deutz verspricht die FFG-Integration Zugang zu einem Marktsegment, in dem der Konzern bislang nur als Motorenzulieferer, nicht aber als Systemanbieter auftrat.

Die kommende Woche dürfte für die Aktie ohnehin ereignisreich werden: Am 6. August stehen die Quartalszahlen zum zweiten Quartal an, die zeigen sollen, wie sich das operative Geschäft jenseits der Übernahmestory entwickelt. Anleger werden dabei genau darauf achten, ob das Management bereits konkretere Angaben zur geplanten Kapitalerhöhung und deren Struktur macht. Bis zur Hauptversammlung am 24. August bleibt der Transformationsprozess von Deutz zum breiter aufgestellten Rüstungs- und Antriebskonzern das bestimmende Thema für die Aktie.