DHL greift beim Ausbau seiner Paketautomaten kräftig zu. Der Bonner Konzern übernimmt den Wettbewerber Myflexbox und hebt sein Ziel für Ende 2030 von mehr als 30.000 auf rund 50.000 Automaten in Deutschland an. Der Zukauf soll das Tempo spürbar erhöhen.

Myflexbox: Wachstum mit Neutralitätsversprechen

Myflexbox startete als Start-up der Salzburger Stadtwerke und gehört inzwischen zu den britischen Investoren von Star Capital. Zuerst wuchs die Firma in Österreich, dann in Deutschland. Hierzulande stieg die Zahl der Automaten seit Mitte 2026 von rund 600 auf etwa 2.000.

In den hellgrauen Kästen lagern Pakete von UPS, Fedex, GLS, DPD und Amazon. Das wichtigste Verkaufsargument war die Anbieterunabhängigkeit: Die Eigentümer waren keine Paketdienstleister und hatten kein Interesse, eigene Sendungen zu bevorzugen.

Genau hier liegt der heikle Punkt. Wenn ein Konzern Wettbewerber im Automaten benachteiligt, etwa durch volle Fächer und Umleitungen, könnte der Frust der Kunden auf die anderen Anbieter durchschlagen. Myflexbox-Chef Jonathan Grothaus versichert, man bleibe unabhängig und behandle alle Kunden gleich.

Zwei Netze, ein Konzern

DHL betreibt bereits rund 17.400 gelbe Packstationen und Poststationen, die nur für eigene Sendungen offenstehen. Das soll so bleiben. Eine Sprecherin begründet das mit dem erwarteten Paketwachstum: Man brauche die Standorte selbst.

Separat davon startete DHL Anfang 2025 die offene Tochter DeinFach, die inzwischen rund 1.700 Standorte zählt. Neben DHL nutzt bisher nur UPS das Netz in größerem Umfang, ein weiterer Paketdienstleister soll bald folgen. DeinFach wird nun mit Myflexbox zusammengeführt und unter dieser Marke geführt. Grothaus und DeinFach-Chef Lukas Beckedorff leiten die Einheit gemeinsam.

Zusammen kommt DHL auf mehr als 21.000 Automatenstandorte. Beckedorff nennt Standorte „ein rares Gut“ und verweist auf Tankstellen, Einkaufszentren, Bahnhöfe und Fußgängerzonen als Ziele.

Konkurrenz baut kleiner

Die Wettbewerber setzen weniger stark auf Automaten. Hermes betreibt nur rund 30 Geräte im Großraum Hamburg und favorisiert Paketshops. GLS und DPD wollen bis Ende 2027 gemeinsam bis zu 6.000 Automaten anbieten.

Am Aktienmarkt zeigte sich die Aktie zuletzt schwächer, im Sog eines DAX, der zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten rutschte. Konkrete Angaben zum Kaufpreis des Zukaufs nannte DHL nicht. Als Zielmarke steht fest: Bis Ende 2030 sollen es rund 50.000 Automaten sein.