Bei Diginex reißt der Wechsel an der Unternehmensspitze nicht ab. Nur wenige Tage nach der Ankündigung, dass Chief Operating Officer Jacob Friedman zurücktritt, rückt Gray Bridges als Interim-Chief Technology Officer nach. Der Schritt fällt in eine Phase, in der das Unternehmen parallel seine milliardenschwere Übernahme des Marketing-Technologieanbieters Resulticks vorbereitet.
Führungswechsel folgt auf CEO-Rücktritt
Der COO-Wechsel reiht sich in eine Serie personeller Umbauten ein. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte Diginex den Rücktritt von CEO Lubomila Jordanova zum 31. August bekanntgegeben, verbunden mit der Ernennung von Archana Kotecha zur Interim-Geschäftsführerin.
Die Aktie legte seither um 10,3 Prozent zu. Jordanova war erst seit Januar im Amt, zuvor hatte sie ihr eigenes Unternehmen Plan A.earth GmbH gegründet, das Diginex im selben Monat übernahm.
Auch bei Friedmans Abgang bleibt unklar, wie lange die Interimslösung mit Bridges an der Spitze der Technologiesparte Bestand haben wird. Für Anleger ist der Zeitpunkt bemerkenswert: Das Unternehmen befindet sich mitten in der Vorbereitung eines weitreichenden Kontrollwechsels, der die gesamte Führungsstruktur ohnehin grundlegend verändern dürfte.
Resulticks-Deal als Hintergrund der Unruhe
Diginex hat im August die überarbeitete Kaufvereinbarung für Resulticks Global Companies unterzeichnet. Der Marketing-Technologiekonzern erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 150 Millionen US-Dollar und einen Gewinn nach Steuern von 17 Millionen US-Dollar, bei einer Wachstumsrate von über 60 Prozent seit der Pandemie. Als Gegenleistung erhalten die Resulticks-Aktionäre 600 Millionen neue Diginex-Stammaktien zu je 1,75 US-Dollar, vollständig in Eigenkapital.
Nach Abschluss der Transaktion soll Redickaa Subrammanian, Mitgründerin und CEO von Resulticks, die Führung der kombinierten Gesellschaft übernehmen. Miles Pelham tritt dann als Chairman zurück, der Vorstand wird mit neuen, von den Resulticks-Aktionären gestellten Direktoren neu besetzt.
Vor diesem Hintergrund wirken die aktuellen Personalwechsel bei COO und CTO wie ein vorgezogener Umbau der operativen Ebene, noch bevor die eigentliche Führungsübergabe stattfindet.
Diginex hat zudem Ende August eine Listing Application bei der Nasdaq eingereicht, um den mit der Übernahme verbundenen Kontrollwechsel formal genehmigen zu lassen. Die Gesellschaft hatte das Long-Stop-Datum der ursprünglichen Kaufvereinbarung bereits im August verlängert und zuvor private Finanzierungszusagen über 70 Millionen US-Dollar gesichert.
Blick auf die kommenden Wochen
Entscheidend für den weiteren Verlauf bleibt der Fahrplan der Übernahme. Der Vorstand hat eine außerordentliche Hauptversammlung für den 8. Oktober einberufen, auf der Aktionäre über die Resulticks-Übernahme, eine Erhöhung des genehmigten Aktienkapitals und eine geänderte Satzung abstimmen sollen. Stichtag für die Teilnahmeberechtigung ist der 14. August. Der Vollzug der Transaktion wird bis zum 30. Oktober angestrebt.
Finanziell steht Diginex vor der Übernahme auf schmaler Basis da: Im Geschäftsjahr bis Ende März war das Unternehmen zwar schuldenfrei und verfügte über Barmittel von 4,9 Millionen US-Dollar, der Nettoverlust weitete sich jedoch auf 31,1 Millionen US-Dollar aus, der bereinigte EBITDA-Verlust auf 13,0 Millionen US-Dollar.
Die Aktie hatte auf die Vorlage dieser Zahlen vor gut einer Woche mit einem Plus von 25,0 Prozent reagiert. Vor gut drei Wochen hatte zudem der Verkauf von Aktien durch den Gründer die Notierung um 24,0 Prozent bewegt.
Ob die aktuellen Führungswechsel die Integration von Resulticks erleichtern oder zusätzliche Unsicherheit schaffen, dürfte sich erst zeigen, wenn die Aktionäre im Oktober über die Übernahme abstimmen.
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