Diginex verfolgt mit der geplanten Resulticks-Übernahme und einer erweiterten Plattform für Lieferkettenprüfungen unterschiedliche Wachstumsvorhaben. Die Aktionärszustimmung aus der vergangenen Woche betrifft den Erwerb von Resulticks; sie ersetzt jedoch nicht die weiteren Abschlussvoraussetzungen.

Für Anleger kommt es deshalb darauf an, die Zustimmung zum Vorhaben, dessen Finanzierungsvoraussetzungen und die Entwicklung des eigenen Angebots auseinanderzuhalten.

Die Aktie verzeichnete gestern eine Tagesveränderung von -4,7%. Diese Kursbewegung liefert für sich genommen keine Aussage darüber, ob die geplante Übernahme ihre verbleibenden Voraussetzungen erfüllen wird.

Übernahmefreigabe ist nicht gleich Abschluss

Die Aktionäre haben den geplanten Erwerb von Resulticks genehmigt. Damit liegt ihre Zustimmung vor, nicht aber ein vollzogener Zusammenschluss. Zu den Voraussetzungen für den Abschluss gehören unter anderem Zustimmungen der Kreditgeber. Aktionäre und Kreditgeber erfüllen hier unterschiedliche Funktionen: Das positive Votum der einen Gruppe ersetzt nicht die erforderlichen Zustimmungen der anderen.

Vor gut einer Woche legte Diginex in einer SEC-Pflichtmitteilung die Finanzierungsverhältnisse von Resulticks offen. Demnach besteht eine Kreditfazilität über US$40,0 Millionen mit rund US$31,8 Millionen ausstehendem Kapital. Weitere Fazilitäten weisen rund US$21,0 Millionen ausstehendes Kapital auf.

Entscheidend ist dabei die Zuordnung der Verpflichtungen. Diginex erklärte, selbst derzeit keine Partei dieser Fazilitäten zu sein und keine Garantie gestellt zu haben. Die Angaben beschreiben somit die Finanzierung von Resulticks und dürfen nicht ohne Weiteres als bestehende Kreditverpflichtungen von Diginex dargestellt werden.

Für die Bewertung des Vorhabens sind beide Aspekte relevant: Die Finanzierungsverhältnisse des Übernahmeziels spielen bei den Abschlussbedingungen eine Rolle. Gleichzeitig begrenzt Diginex’ Aussage zur eigenen Vertragsstellung, welche unmittelbaren Verpflichtungen sich daraus dem Unternehmen zuschreiben lassen.

Plattformausbau als eigenständiges Vorhaben

Neben dem Erwerbsvorhaben steht der Ausbau des Angebots. Am 29. September kündigte Diginex eine erweiterte Plattform für Lieferketten-Due-Diligence an. Sie verbindet mehrstufige Lieferkettentransparenz mit Risikodaten und nachverfolgbaren Abhilfemaßnahmen. Der Ansatz reicht damit von der Erfassung von Risiken bis zur Dokumentation ihrer Bearbeitung.

Diginex verwies dazu auf eine Verdantix-Prognose: Das Marktvolumen soll bis 2029 über 7 Mrd. US-Dollar erreichen. Erwartet wird ein jährliches Wachstum von 29 % bis dahin.

Diese Prognose beschreibt den adressierten Markt, nicht einen zugesagten Umsatz von Diginex. Anleger sollten deshalb zwischen Marktpotenzial, konkreter Produkterweiterung und dem noch nicht abgeschlossenen Erwerb unterscheiden. Die Plattformankündigung betrifft das Angebot; die Aktionärszustimmung betrifft eine Transaktion. Beide Vorhaben liefern Anknüpfungspunkte für Wachstum, aber unterschiedliche Maßstäbe für dessen Bewertung.