Ausgangslage

Diginex steht vor einer der weitreichendsten Wochen seiner Unternehmensgeschichte, und ausgerechnet jetzt fehlt an der Spitze die personelle Kontinuität. Anfang September wurde bekannt, dass CEO Lubomila Jordanova ihren Posten bereits zum 31. August niedergelegt hat, interimistisch übernimmt Archana Kotecha.

Zeitgleich gab auch COO Jacob Friedman seinen Rückzug bekannt, Gray Bridges rückt als interimistischer Chief Technology Officer nach. Damit verliert Diginex binnen weniger Tage zwei zentrale Führungsfiguren – mitten in der finalen Phase einer milliardenschweren Übernahme.

Denn parallel läuft die Vorbereitung der außerordentlichen Hauptversammlung am 8. Oktober, auf der Aktionäre über die Übernahme von Resulticks Global Companies abstimmen sollen.

Die Gegenleistung: 600 Millionen neue Diginex-Aktien zu 1,75 US-Dollar, vollständig in Eigenkapital. Flankiert wird der Deal von einer zugesagten Privatfinanzierung über 70 Millionen US-Dollar, davon 20 Millionen direkt an Diginex zu einem Kurs von 1,00 US-Dollar je Aktie und Warrant, der Rest über Resulticks zu 0,85 US-Dollar je Aktie.

Vor rund zwei Wochen reichte Diginex zudem den erforderlichen Listing-Antrag bei der Nasdaq ein, um den mit der Übernahme verbundenen Kontrollwechsel genehmigen zu lassen – seither hat die Aktie um 10,5 Prozent zugelegt. Der Kurs bleibt damit auch am Freitag mit einem Minus von 7,4 Prozent auf 1,37 US-Dollar volatil, binnen 30 Tagen steht ein Rückgang von 15 Prozent zu Buche.

Die entscheidende Frage

Für Anleger reduziert sich die Lage auf einen Punkt: Kann eine weitgehend neu und interimistisch besetzte Führungsspitze den Resulticks-Deal bis zum angepeilten Abschlusstermin am 30. Oktober sauber über die Ziellinie bringen? Die Proxy-Unterlagen zur Hauptversammlung sollen um den 25. September an die Aktionäre verteilt werden – das ist der nächste konkrete Prüfstein vor der Abstimmung selbst.

Bis dahin muss sich zeigen, ob die kommissarische Leitung unter Kotecha und Bridges die operative Stabilität hält, während gleichzeitig Nasdaq-Genehmigung, regulatorische Zustimmungen und die Aktionärsabstimmung parallel abgearbeitet werden müssen.

Bullisches Szenario

Sollte die Hauptversammlung am 8. Oktober zustimmen und die übrigen Genehmigungen fristgerecht vorliegen, würde Diginex mit Resulticks ein Unternehmen konsolidieren, das für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 150 Millionen US-Dollar und einen Gewinn nach Steuern von 17 Millionen US-Dollar auswies, bei einer Wachstumsrate von über 60 Prozent seit der Pandemie. Das stünde in deutlichem Kontrast zum bisherigen Diginex-Geschäft, das im Geschäftsjahr bis Ende März zwar den Umsatz um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar steigerte, aber einen Nettoverlust von 31,1 Millionen US-Dollar auswies.

Gelingt die Integration, würde aus einem kleinen, defizitären Unternehmen über Nacht ein profitables Firmenkonstrukt mit deutlich größerer Umsatzbasis. Für diesen Fall wäre auch die Übernahme der operativen Führung durch Resulticks-Mitgründerin Redickaa Subrammanian als künftige CEO ein Signal, dass die neue Struktur auf Kontinuität aus dem profitableren Übernahmeziel setzt statt auf weitere Umbrüche.

Bärisches Risiko

Die Kehrseite: Der Führungsumbau kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zwei Schlüsselpositionen sind nur interimistisch besetzt, während gleichzeitig eine komplexe, mehrstufige Transaktion – Aktionärsvotum, Nasdaq-Freigabe, regulatorische Zustimmungen – bewältigt werden muss. Jede Verzögerung bei einem dieser Schritte könnte den Zieltermin 30. Oktober gefährden.

Zudem bleibt die Aktie mit einer annualisierten Volatilität von 101 Prozent extrem schwankungsanfällig, ein RSI von 48 signalisiert derzeit keine klare Richtung. Sollte die Hauptversammlung Widerstand leisten oder sich die Finanzierungszusagen als brüchig erweisen, droht der Deal ins Stocken zu geraten – mit unklaren Folgen für die ohnehin verlustreiche Diginex-Bilanz.

Ausblick

Solange die interimistische Führung die laufenden Genehmigungsverfahren ohne weitere Rückschläge durch die Institutionen bringt und die Proxy-Unterlagen wie geplant um den 25. September verschickt werden, bleibt der Fahrplan zur Hauptversammlung am 8. Oktober intakt.

Kippt dieser Prozess – etwa durch weitere Personalabgänge, aufgeschobene Nasdaq-Zustimmung oder Widerstand der Aktionäre –, verschiebt sich der ganze Zeitplan und mit ihm die Aussicht auf die versprochene Konsolidierung mit dem profitablen Resulticks-Geschäft.

Der 8. Oktober bleibt damit der entscheidende Termin, an dem sich zeigt, ob Diginex den Übergang zu einem deutlich größeren, aber auch komplexeren Unternehmen schafft.