Zwei behördliche Freigaben binnen 24 Stunden, eine brandneue Drohnen-Plattform und milliardenschwere Aufträge von Land bis Weltraum: Die vergangene Woche hat den Verteidigungssektor mit einer ungewöhnlichen Dichte an Impulsen versorgt. Rheinmetall sichert sich Berlins Segen für Kamikazedrohnen, OHB SE rückt einem Satelliten-Megaprojekt näher, AeroVironment stellt ein völlig neues Waffensystem vor, Kraken Robotics meldet frische Unterwasser-Aufträge — und RTX liefert kurz vor den Quartalszahlen gleich mehrere Meilensteine ab.
Rheinmetall: Grünes Licht für Drohnen und Satelliten-Allianz
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat gleich zwei gewichtige Nachrichten auf einmal erhalten. Am 15. April genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags eine Großbestellung sogenannter Loitering Munitions — unbemannte Flugkörper, die über einem Zielgebiet kreisen und erst auf Befehl zuschlagen. Die Drohnen vom Typ Raider sollen die deutsche Brigade in Litauen verstärken und die Abschreckung gegenüber Russland stärken.
Der Rahmenvertrag umfasst ein mögliches Gesamtvolumen von bis zu 2,4 Milliarden Euro. Zunächst wurden Aufträge im Wert von rund 298 Millionen Euro freigegeben. Das Verteidigungsministerium betrachtet die Rheinmetall-Drohnen als sinnvolle Ergänzung zu den Systemen von Helsing und Stark — dank ihrer optischen Sensorik.
Parallel dazu gab das Bundeskartellamt den Weg frei für das geplante Satelliten-Joint-Venture mit OHB SE. Eine Konstellation aus 100 bis 200 Satelliten im niedrigen Erdorbit soll der Bundeswehr bis 2029 eine abhörsichere Kommunikationsinfrastruktur verschaffen — unabhängig von US-Systemen wie SpaceX Starlink. Das geschätzte Auftragsvolumen: bis zu zehn Milliarden Euro.
Die Analystengemeinde reagiert zuversichtlich. Deutsche Bank und Barclays bekräftigten am 15. April ihre Kaufempfehlungen. Goldman Sachs hatte die Aktie bereits Anfang April auf die European Conviction List gesetzt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 2.044 Euro — keiner der 15 Analysten rät zum Verkauf. Bei einem Kurs von etwa 1.475 Euro bleibt damit rechnerisch erhebliches Aufwärtspotenzial.
OHB SE: Vom Nischenwert zum Satelliten-Schwergewicht
Für OHB SE war die Kartellfreigabe der entscheidende Impuls der Woche. Im Rahmen des Joint Ventures mit Rheinmetall soll OHB die Satelliten und Bodenstationen für das Bundeswehr-Projekt SATCOMBw 4 bauen, während Rheinmetall Digital das Netzwerk und die Endgeräte verantwortet. Airbus hat sich mittlerweile dem Bieterkonsortium angeschlossen — statt gegen die Allianz zu konkurrieren.
Das hat weitreichende Konsequenzen: Mit dem Zusammenschluss der drei Gruppen entfällt der Wettbewerb um den Großauftrag praktisch vollständig. Laut Medienberichten könnte eine Direktvergabe erfolgen — ein Vorgehen, das im Haushaltsausschuss durchaus Kritik hervorrufen dürfte. Aus Sicht der Bundeswehr überwiegen die Vorteile: schnellere Umsetzung und die Vermeidung langwieriger Rechtsstreitigkeiten nach einer Vergabe.
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Die Aktie notiert bei rund 264 Euro und hat sich seit ihrem 52-Wochen-Tief bei 62,80 Euro vervielfacht. Das Allzeithoch von 320 Euro stammt vom Januar 2026 — also noch vor der Kartellfreigabe. Die Bewertung mit einem KGV von etwa 850 zeigt, dass der Markt die Satelliten-Chance bereits einpreist, nicht die aktuelle Ertragskraft. Bei einer Marktkapitalisierung von knapp fünf Milliarden Euro bleibt OHB im Vergleich zu Rheinmetall ein deutlich kleinerer Wert mit begrenzter Analystenabdeckung.
AeroVironment: Mayhem 10 eröffnet ein neues Kapitel
Abseits der europäischen Rüstungsdynamik hat AeroVironment auf einer Militärluftfahrtmesse eine komplett neue Produktfamilie vorgestellt. Mayhem 10 ist das erste System einer neuen Drohnen-Reihe, die über die bekannte Switchblade-Familie hinausgeht. Der Hersteller beschreibt die Plattform als „autonomes, multifunktionales Wirksystem“ — einsetzbar für Präzisionsschläge, Aufklärung, elektronische Kampfführung oder Kommunikationsrelais.
Die technischen Eckdaten im Überblick:
- Nutzlast: rund 4,5 Kilogramm
- Reisegeschwindigkeit: 130 km/h, Spitze über 190 km/h
- Reichweite: 100 Kilometer bei 50 Minuten Flugdauer
- Start: luft-, boden- und seegestützt möglich
- Schutz: resistent gegen Jamming und GPS-Spoofing
Die Entwicklung lief über mehrere Jahre. Eine Kleinserienfertigung soll noch in diesem Kalenderjahr anlaufen — zunächst mit etwa zehn Einheiten pro Monat, perspektivisch hundert. Aktive Bestellungen liegen noch nicht vor. Die Plattform zielt explizit auf das Launched-Effects-Programm der US Army, das Anforderungen in kurzer, mittlerer und langer Reichweite definiert.
Trotz eines Gewinnrückschlags im dritten Quartal bleibt die Analystengemeinde überzeugt. BNP Paribas bestätigte Mitte April die Outperform-Einstufung mit einem Kursziel von 330 US-Dollar — bei einem damaligen Kurs von rund 180 Dollar ein enormer Aufschlag. Der Konsens aus 16 Analysten lautet „Strong Buy“ bei einem Durchschnittsziel von knapp 317 Dollar. Die strukturelle Nachfrage durch autonome Waffenprogramme trägt die These.
Kraken Robotics: Aufträge im Akkord, Übernahme in Sichtweite
Während AeroVironment noch auf erste Bestellungen für Mayhem 10 wartet, übersetzt Kraken Robotics die Marktnachfrage bereits in harte Zahlen. Das kanadische Unternehmen meldete neue Aufträge über rund 28 Millionen kanadische Dollar — verteilt auf fünf Kunden, darunter zwei Neukunden. Die Verträge umfassen SeaPower-Batterien und Synthetic-Aperture-Sonar-Systeme für internationale Verteidigungsunternehmen sowie einen kommerziellen Hersteller unbemannter Unterwasserfahrzeuge.
Damit summieren sich die 2026 gemeldeten Produktaufträge auf 87 Millionen kanadische Dollar. Die Rekordzahlen aus 2025 — Umsatz von 102,2 Millionen und bereinigtes EBITDA von 25,0 Millionen kanadische Dollar — bilden die Basis für ambitionierte Ziele: Für 2026 erwartet das Management einen Umsatz zwischen 165 und 175 Millionen sowie ein bereinigtes EBITDA von 40 bis 50 Millionen.
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Der eigentliche Gamechanger liegt in der Übernahme der britischen Covelya Group für 615 Millionen Dollar. Der Abschluss wird im zweiten Quartal 2026 erwartet und dürfte die Umsatzbasis mehr als verdoppeln. Nach dem Closing will Kraken die Prognose aktualisieren. Mit einer Finanzstärke-Bewertung von 9 aus 10 Punkten und einem KGV von gut 140 spiegelt die Aktie die Erwartung wider, dass das Unternehmen gerade den Sprung vom Nischenanbieter zum gewichtigen Unterwasser-Verteidigungsspezialisten vollzieht.
RTX: Patriot-Milliarden und Sensor-Premiere vor den Quartalszahlen
Als diversifizierter Luft- und Raumfahrtkonzern mit einem Rekord-Auftragsbestand von 268 Milliarden Dollar spielt RTX in einer anderen Gewichtsklasse. Kurz vor der Veröffentlichung der Q1-Zahlen am 21. April liefert das Unternehmen gleich mehrere Impulse.
Raytheon — die Verteidigungssparte von RTX — absolvierte erfolgreich den ersten Flugtest des RAIVEN-Staring-Sensorsystems auf einem UH-60 Black Hawk. Das luftgekühlte Drei-Sensor-Paket kartierte bei völliger Dunkelheit urbanes Gelände, Marschland und Küstenlinien mit 270-Grad-Rundumsicht. Weitere Tests folgen im Laufe des Jahres.
Auf der Beschaffungsseite unterzeichnete Raytheon einen Vertrag über 3,7 Milliarden Dollar für Patriot-GEM-T-Abfangflugkörper für die Ukraine. Die Niederlande vergaben zudem einen Auftrag über 627 Millionen Dollar für Patriot-Radare, Startgeräte und Führungssysteme.
Die Jahresergebnisse 2025 liefern den Rahmen: bereinigte Umsätze von 88,6 Milliarden Dollar bei elf Prozent organischem Wachstum, bereinigtes EPS von 6,29 Dollar und freier Cashflow von 7,9 Milliarden. Für 2026 prognostiziert RTX bereinigte Umsätze von 92 bis 93 Milliarden Dollar sowie ein EPS von 6,60 bis 6,80 Dollar. Der Analystenkonsens lautet auf „Buy“ mit einem Durchschnittsziel von rund 209 Dollar — bei 14 klaren Kaufempfehlungen unter 24 Analysten.
Fünf Werte, ein roter Faden
Die Klammer um alle fünf Titel ist offensichtlich: steigende NATO-Ausgaben, kürzere Beschaffungszyklen und ein technologischer Wettlauf von der Kamikazedrohne bis zur souveränen Satellitenkonstellation. Die Unterschiede liegen im Reifegrad.
Rheinmetall und OHB SE profitieren unmittelbar von Berlins Aufrüstungskurs — mit der Besonderheit, dass ihr Satelliten-Joint-Venture beide Aktien an eine einzige Vergabeentscheidung koppelt. AeroVironment setzt auf Zukunftswetten: kein einziger Auftrag für Mayhem 10, aber eine Produktarchitektur, die exakt auf die Anforderungen der US Army zugeschnitten ist. Kraken Robotics liefert den Gegenentwurf — Nachfrage wird in Tempo zu Aufträgen konvertiert, während die Covelya-Übernahme das Unternehmen transformiert. RTX schließlich vereint bewährte Hochleistungssysteme mit einer Cashflow-Maschine, die Quartal für Quartal liefert.
Katalysatoren in den kommenden Wochen
Der Terminkalender ist dicht. RTX eröffnet am 21. April die Berichtssaison für den Sektor und liefert den ersten Gradmesser, ob der Rekord-Backlog sich planmäßig in Umsatz und Gewinn übersetzt. Für Rheinmetall und OHB steht als nächster Meilenstein die formale Angebotsabgabe für SATCOMBw 4 an — ein Prozess, der angesichts fehlender Konkurrenz schneller verlaufen könnte als üblich.
Rheinmetalls Drohnenproduktion muss bis 2027 hochgefahren werden, wenn die litauische Brigade planmäßig ausgerüstet sein soll. Bei Kraken Robotics wird der Abschluss der Covelya-Übernahme im zweiten Quartal die Finanzkennzahlen grundlegend verändern und eine aktualisierte Prognose auslösen. AeroVironment steht vor der Herausforderung, die Kleinserienfertigung für Mayhem 10 noch in diesem Jahr zu starten — und idealerweise erste Kunden zu gewinnen, bevor der Budgetzyklus des Pentagon die nächste Runde dreht.
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