Ein Pharma-Riese kauft sich in die Welt der Psychedelika ein — und der Markt reagiert höchst unterschiedlich. Während die Aktie des Übernahmeziels regelrecht durch die Decke geht, zuckt Eli Lilly kaum mit der Wimper. Das sagt viel darüber aus, wie unterschiedlich beide Unternehmen im Portfolio der Anleger gewichtet werden.
Lilly und der klinische Biopharma-Konzern AtaiBeckley haben eine endgültige Übernahmevereinbarung unterzeichnet. Aktionäre von AtaiBeckley erhalten beim Abschluss 6,75 US-Dollar je Aktie in bar, dazu kommt eine bedingte Zusatzzahlung von bis zu 2,50 US-Dollar über eine Contingent Value Right. Insgesamt kann der Deal damit auf bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar anwachsen — die Barkomponente allein entspricht einem Eigenkapitalwert von rund 2,8 Milliarden US-Dollar.
Meilensteine statt Blankoscheck
Die zusätzlichen 1,0 Milliarden US-Dollar aus der CVR sind an drei konkrete Entwicklungsschritte gekoppelt: den Start einer Phase-3-Studie mit VLS-01, eine US-Zulassung samt DEA-Neueinstufung von BPL-003 sowie eine spätere Zulassung von VLS-01. Eine Garantie für diese Zahlungen gibt es laut Mitteilung ausdrücklich nicht. Der Großaktionär Apeiron Investment Group sowie sämtliche Direktoren und Führungskräfte von AtaiBeckley haben sich per Stimmrechtsvereinbarung bereits auf rund 15 Prozent der ausstehenden Aktien festgelegt — ein klares Signal für den Rückhalt der Transaktion im eigenen Haus.
Der Übernahmepreis liegt rund 40 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage. Entsprechend heftig fiel die Kursreaktion bei AtaiBeckley aus: Nach ersten Gerüchten am Mittwochabend schoss die Aktie nachbörslich um rund 66 Prozent nach oben, am Donnerstag legte sie vorbörslich nochmals über 34 Prozent zu. Die Lilly-Aktie dagegen bewegte sich kaum und notierte zuletzt nur leicht im Plus.
Zugang zu neuartiger Psychiatrie-Pipeline
Im Zentrum der Übernahme steht BPL-003, eine intranasal verabreichte synthetische Form des Psychedelikums 5-MeO-DMT gegen therapieresistente Depressionen. Der Wirkstoff hat bereits die Breakthrough-Therapy-Einstufung der US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten und befindet sich in einer Phase-3-Prüfung. Ergänzt wird die Pipeline durch VLS-01, eine als Lutschfilm verabreichte DMT-Formulierung in einer laufenden Phase-2b-Studie. Der Ansatz zielt auf die Wiederherstellung der synaptischen Plastizität im Gehirn ab — ein anderer Mechanismus als bei klassischen Antidepressiva, die vor allem Botenstoffe beeinflussen.
Die Transaktion ist nicht an eine Finanzierungsbedingung geknüpft und soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Bis dahin müssen noch die Aktionäre von AtaiBeckley auf einer Sonderversammlung zustimmen, zudem stehen behördliche Freigaben aus.
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