Der Konkurrenzkampf im Markt für moderne Stoffwechseltherapien gewinnt an Schärfe. Laut einem Bericht von Reuters legte Novo Nordisk am Montag Studiendaten vor, wonach das Prüfpräparat CagriSema in einer Spätphasenstudie bei Diabetes einen geschätzten durchschnittlichen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent erzielte. Bei den getesteten Dosierungen kam Tirzepatid von Eli Lilly in diesem Vergleich auf 9,1 Prozent.
Die Studienergebnisse heizen die Debatte um die künftige Marktverteilung bei Adipositas- und Diabetes-Behandlungen erneut an. Für Eli Lilly bedeutet der Vorstoß des dänischen Rivalen einen direkten Angriff auf die Wirksamkeitsansprüche des eigenen Schlüsselmedikaments, wirft zugleich aber auch die Frage nach der nächsten Generation therapeutischer Ansätze auf.
An den Finanzmärkten zeigten sich die Anleger von den gemeldeten Vergleichswerten weitgehend unbeeindruckt. Die Aktie von Eli Lilly beendete den Handel gestern mit einem Zuwachs von 1,2 Prozent bei 1.028,20 Euro.
Pipeline-Präsentationen und Marktanteile
Um dem wachsenden Wettbewerb zu begegnen, verweist das Pharmaunternehmen auf die Weiterentwicklung seiner klinischen Forschung. Wie Eli Lilly ankündigte, werden auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes neue Studienergebnisse zu Foundayo, dem Prüfpräparat Retatrutid sowie eloraTZP vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Phase-3-Daten der TRIUMPH-2-Studie für Retatrutid.
Fortschritte vermeldet der Konzern zudem im Segment der oralen Therapien. Am 14. September teilte Eli Lilly mit, dass Foundayo in den USA mehr als 30 Prozent der Neupatienten bei oralen Adipositas-Behandlungen gewonnen hat. Damit schrumpfte der anfängliche Vorsprung, den sich Novo Nordisk mit dem Präparat Wegovy erarbeitet hatte.
Zukäufe und Fortschritte in der Onkologie
Das Management setzt darauf, das Portfolio durch gezielte Schritte in weiteren Indikationen robuster aufzustellen. Neben Stoffwechselpräparaten gewinnen neurologische und onkologische Therapien für die langfristige Ausrichtung des Konzerns an Bedeutung.
In diesem Zusammenhang schloss Eli Lilly am 11. September die Übernahme von AtaiBeckley Inc. ab, um die Entwicklung klinischer Therapien gegen therapieresistente Depressionen und weitere psychische Erkrankungen voranzutreiben.
Zudem erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA am 18. September die Zulassung für Inluriyo (Imlunestrant) in Kombination mit Verzenio (Abemaciclib) zur Behandlung von Erwachsenen mit ER-positivem, HER2-negativem und ESR1-mutiertem fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. Die Kombination wurde unmittelbar in den USA verfügbar gemacht.
Einordnung für Anleger
Die parallelen Initiativen in Onkologie und Psychiatrie verdeutlichen das Bestreben, die geschäftliche Basis über mehrere Säulen zu stabilisieren. Während der Wettlauf um Marktanteile bei Adipositas im Fokus der Öffentlichkeit steht, schaffen Zulassungserfolge in anderen Fachgebieten operativen Rückhalt.
An der Börse notiert die Aktie derzeit 7,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Ob der Konzern seine Bewertung weiter rechtfertigen kann, dürfte maßgeblich von den anstehenden Fachtagungsdaten zu Retatrutid abhängen.
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