Der US-Pharmakonzern Eli Lilly verstärkt seine Präsenz im Bereich der Immunologie durch eine gezielte Akquisition. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, übernimmt es Merida Biosciences für einen Betrag von bis zu 2,88 Milliarden US-Dollar. Die Transaktion soll vollständig in bar abgewickelt werden.

Mit diesem Schritt sichert sich der Konzern den Zugriff auf eine experimentelle Behandlung für autoimmunbedingte Schilddrüsenerkrankungen und erweitert damit sein bestehendes Portfolio in der Immunologie um einen vielversprechenden Kandidaten.

Strategische Erweiterung jenseits von Blockbustern

Die Übernahme von Merida Biosciences unterstreicht das Bestreben von Eli Lilly, seine Abhängigkeit von den aktuellen Wachstumstreibern im Bereich Adipositas und Diabetes durch eine breitere immunologische Basis zu ergänzen.

Während das Unternehmen vor allem für seine Erfolge bei Stoffwechselerkrankungen bekannt ist, zeigt die Integration neuer Therapieansätze für Autoimmunerkrankungen die langfristige Diversifizierungsstrategie.

Parallel zu dieser Akquisition treibt das Unternehmen weitere Forschungsprojekte voran. So wurde Mitte August eine Vereinbarung mit OmniAb über ein Programm zur Entdeckung von Ionenkanal-Medikamenten unterzeichnet, die Meilensteinzahlungen von bis zu 370 Millionen US-Dollar vorsieht.

Zudem schloss der Konzern eine Vereinbarung mit AlzeCure ab, die eine Vorauszahlung von 10 Millionen US-Dollar für Wirkstoffkandidaten zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit und zur Schmerztherapie umfasst. Diese Kooperationen verdeutlichen, dass Eli Lilly massiv in die frühe klinische Entwicklung investiert, um die Pipeline für die kommenden Jahre abzusichern.

Auf operativer Ebene wurde zudem Tayllit Aherdan ernannt, um die Geschäftsaktivitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Kuwait zu leiten, was die Ambitionen in den Märkten des Nahen Ostens unterstreicht.

Zulassungserfolge für Mounjaro und Zepbound

Flankiert wird die Expansionsstrategie durch positive Nachrichten bei den bereits etablierten Medikamenten. Am Freitag erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für Mounjaro (Tirzepatid) zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Dies stellt eine bedeutende Erweiterung des Einsatzspektrums dar.

Ergänzend dazu lieferte eine am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Real-World-Studie von Eli Lilly Daten zu Zepbound. Demnach korreliert der Einsatz des Medikaments bei Erwachsenen über 55 Jahren mit Adipositas mit niedrigeren Gesundheitskosten.

Die Aktie reagierte zuletzt verhalten auf die Nachrichtenlage und beendete den gestrigen Handelstag bei 999,30 Euro. Trotz der jüngsten Volatilität weist das Papier seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 8,9 % auf. Damit notiert der Wert aktuell rund 9,8 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Mitte August erreicht worden war.

Rechtliche Schritte gegen den Graumarkt

Ein weiteres zentrales Thema für das Unternehmen bleibt der Schutz seiner geistigen Eigentumsrechte und die Sicherheit seiner Patienten. Medienberichten zufolge reichte Eli Lilly am Montag vergangener Woche sechs Klagen gegen US-Unternehmen ein.

Den Firmen wird vorgeworfen, illegale Versionen von Retatrutide auf dem Schwarzmarkt vertrieben zu haben. Bei Retatrutide handelt es sich um ein experimentelles Medikament zur Gewichtsreduktion, das sich derzeit noch in der Phase-3-Prüfung befindet und weltweit noch keine Zulassung erhalten hat.

Finanziell sieht sich der Konzern für das laufende Jahr gut gerüstet. Im Rahmen der Mitte August vorgestellten Quartalsergebnisse wurde die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf eine Spanne zwischen 85 und 87 Milliarden US-Dollar angehoben. Anleger können zudem mit einer Quartalsdividende von 1,73 US-Dollar pro Aktie rechnen, deren Auszahlung für den 10. September vorgesehen ist.

Der Stichtag für die Dividendenberechtigung war bereits der 14. August. Inmitten dieser Entwicklungen wurden auch interne Aktienverkäufe bekannt: EVP Anat Hakim und CAO Donald A. Zakrowski veräußerten Anfang August Teile ihrer Bestände, was nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate bei Führungskräften im Rahmen von Diversifizierungsstrategien nicht ungewöhnlich ist.