Der Pharmakonzern hat im November gemeinsam mit Novo Nordisk eine weitreichende Vereinbarung mit der Trump-Regierung getroffen. Die Preise für die populären GLP-1-Präparate zur Gewichtsreduktion werden für Medicare- und Medicaid-Programme sowie für Barzahler drastisch gesenkt. Doch was zunächst nach Umsatzeinbußen klingt, könnte sich als strategischer Schachzug erweisen.

Schnellspur für Blockbuster-Kandidaten

Die FDA hat das Cholesterin-Medikament Enlicitide Decanoate von Merck für das Commissioner’s National Priority Voucher Program nominiert – ein Programm, das im Juni ins Leben gerufen wurde. Mehrere dieser Priority Review Vouchers wurden im Rahmen von Preissenkungsvereinbarungen mit der Trump-Administration vergeben, darunter auch jenes für Lillys Abnehmpille. Statt der üblichen 10 bis 12 Monate setzt die FDA für die Prüfung solcher Kandidaten nur sechs Monate an – bei Lillys Präparat drängten Führungskräfte sogar auf eine weitere Verkürzung um bis zu sieben Wochen.

Das Kalkül: Wer bei den Preisen nachgibt, bekommt schnelleren Marktzugang für neue Produkte. Eine Rechnung, die für innovative Pharmakonzerne mit starker Pipeline durchaus aufgehen kann.

Branchenweite Neuordnung im Gang

Novartis und Roche signalisierten diese Woche Gesprächsbereitschaft mit Washington. Beide Konzerne betonten ihr Engagement, die Arzneimittelkosten für Amerikaner zu senken und Preisunterschiede zwischen den USA und anderen wohlhabenden Ländern anzugehen. Insider sprechen von fortgeschrittenen Verhandlungen – ein Deal könnte näher rücken als gedacht.

Seit Trump im Juli 17 Pharmahersteller zum Preissenken aufforderte, haben Pfizer und AstraZeneca bereits zugestimmt. Die Gegenleistung: Erleichterungen bei Importzöllen. Was als politischer Druck begann, entwickelt sich zu einem strukturellen Wandel der Branche.

Für Lilly bedeutet der Vorstoß zweierlei: kurzfristig Margendruck bei den Kassenschlagern Mounjaro und Zepbound, langfristig aber beschleunigten Zugang für Folgepräparate und möglicherweise günstigere Handelsbedingungen. In einem Markt, wo Geschwindigkeit über Milliarden entscheidet, könnte sich dieser Kompromiss auszahlen.