Enel-Chef Paolo Scaroni findet deutliche Worte zur Lage in Europa. Während die Ratingagentur Fitch die Stabilität des italienischen Versorgers lobt, sieht der Chairman strukturelle Probleme für den Kontinent. Die hohen Energiekosten im Vergleich zu den USA könnten langfristig Investitionen kosten.

Fitch lobt Planungssicherheit

Fitch Ratings bestätigt das Rating von Enel mit „BBB+“ und einem stabilen Ausblick. Die Analysten loben die hohe Planungssicherheit des Konzerns. Über 90 Prozent des operativen Gewinns bis 2028 stammen aus regulierten oder fest vertraglich vereinbarten Geschäften.

Die Analysten prognostizieren, dass Enel das EBITDA bis 2028 auf rund 24 Milliarden Euro steigert. Dafür nimmt das Unternehmen viel Geld in die Hand. Enel plant Bruttoinvestitionen von etwa 53 Milliarden Euro in Stromnetze und erneuerbare Energien.

Hohe Ausgaben für den Netzausbau und die Dividenden belasten jedoch die Kasse. Die Folge: ein negativer Cashflow. Erst langfristig sollen sich die massiven Investitionen in die Infrastruktur auszahlen.

Wettbewerbsnachteil gegenüber den USA

Parallel dazu mahnte Scaroni auf einem Wirtschaftsforum in Trient zur Vorsicht. Die Strompreise in Europa seien derzeit doppelt so hoch wie in den USA. Bei Gaspreisen sei der Faktor sogar zwei- bis dreimal so hoch. Das schwäche die energieintensive Industrie in der EU massiv.

Die Aktie verlor am Freitag 0,70 Prozent und ging bei 9,68 Euro aus dem Handel. Damit notiert das Papier nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,65 Euro.

Trotz des kurzfristigen Rücksetzers bleibt die langfristige Tendenz positiv. Auf Sicht von zwölf Monaten verbucht der Titel ein Plus von rund 19 Prozent.

Für das laufende Jahr peilt Enel ein ordentliches Nettoergebnis zwischen 7,1 und 7,3 Milliarden Euro an. Die Hauptversammlung bestätigte zudem eine Ermächtigung für milliardenschwere Aktienrückkäufe.

Aktionäre erhalten im Juli die restliche Dividende von 0,26 Euro je Aktie. Das Management hält damit an seiner Ausschüttungspolitik fest.