Ethereum steckt in einem merkwürdigen Widerspruch. Institutionelle Käufer häufen ETH in historischem Tempo an, Entwickler treiben das bisher größte Protokoll-Upgrade seit Jahren voran — und der Kurs notiert trotzdem rund 42 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau.

Glamsterdam soll Ethereum zehnmal schneller machen

Am 17. Juni rückte das sogenannte Glamsterdam-Upgrade in seine finale Devnet-Testphase. Die Hard Fork bündelt zehn Ethereum Improvement Proposals und zielt auf eine drastisch höhere Skalierbarkeit der Layer-1-Blockchain.

Kernstück ist EIP-7732, das eine strukturelle Trennung zwischen Block-Vorschlag und Attestierung einführt. Parallel dazu implementiert EIP-7928 sogenannte Block-Level Access Lists. Das Ergebnis: Das Gas-Limit soll von 60 Millionen auf 200 Millionen steigen — ein Faktor von 3,3. Entwickler rechnen damit, dass das Netzwerk danach rund 10.000 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten kann. EIP-2780 soll die Kosten für Standard-ETH-Transfers um bis zu 71 Prozent senken. Der Mainnet-Start ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

BitMine kauft sich an die 5-Prozent-Marke heran

Während die Entwickler testen, kauft BitMine. Das von Tom Lee geführte Unternehmen erwarb in der Woche bis zum 15. Juni rund 76.881 ETH für etwa 136 Millionen Dollar. Der Gesamtbestand liegt nun bei 5,62 Millionen ETH — das entspricht 4,66 Prozent des gesamten umlaufenden Angebots.

Finanziert hat BitMine die Käufe über eine Vorzugsaktien-Emission von 273,8 Millionen Dollar an der NYSE, mit einer Dividendenrendite von 9,5 Prozent. Rund 83 bis 85 Prozent der ETH-Bestände stakt das Unternehmen über die Plattform MAVAN. Die prognostizierten jährlichen Staking-Erträge liegen zwischen 219 und 230 Millionen Dollar. Heute entscheidet sich außerdem, ob BitMine in den Russell-1000-Index aufgenommen wird.

Extreme Angst trotz institutioneller Käufe

Die Stimmung am Markt passt nicht zum Kaufverhalten der Großinvestoren. Der Fear-&-Greed-Index steht bei 22 — das Niveau gilt als „extreme Angst“. On-Chain-Daten zeigen, dass rund 54 Millionen ETH aktuell mit Verlust gehalten werden. Zuletzt war das im November 2022 nach dem FTX-Kollaps der Fall.

Allerdings sinken die Exchange-Reserven weiter. Das deutet darauf hin, dass Halter ihre ETH von Börsen abziehen und langfristig halten. Neben BitMine kaufte am 17. Juni auch das Wallet geministar.eth rund 11.142 ETH für knapp 20 Millionen Dollar. Ein Wallet mit Verbindung zu Arthur Hayes erwarb 1.400 ETH.

Fed bremst, Kurs kämpft mit Widerständen

Der makroökonomische Rahmen bleibt belastend. Fed-Chef Kevin Warsh hielt die Zinsen am 17. Juni bei 3,5 bis 3,75 Prozent — mit hawkishem Ausblick. ETH verlor daraufhin 3,6 Prozent. Der Kurs handelt aktuell bei rund 1.751 Dollar, rund 27 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 2.389 Dollar.

Technisch liegt der nächste Widerstand bei 1.838 Dollar, dem 0,618-Fibonacci-Level, und bei 1.882 Dollar, dem 200-Tage-EMA. US-Spot-ETH-ETFs verzeichneten am 16. Juni zwar positive Zuflüsse von 9,59 Millionen Dollar — angeführt von BlackRocks ETHA. Das reichte jedoch nicht, um die Stimmung zu drehen. Ob das Glamsterdam-Upgrade den nötigen Impuls liefert, hängt davon ab, wie reibungslos die verbleibenden Devnet-Tests verlaufen.