Der Übernahmepoker um Evonik gewinnt an Dynamik: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erwägt BASF, die Offerte für den Essener Spezialchemiekonzern nachzubessern. Voraussetzung für einen solchen Schritt sei demnach das Zustandekommen direkter Gespräche zwischen beiden Unternehmen.

Neben einem finanziellen Aufschlag prüfe der Ludwigshafener Konzern zudem konkrete Zusagen für die Beschäftigten, darunter Garantien für Standorte. An der Börse reagierten die Marktteilnehmer prompt: Das Papier von Evonik legte heute um 1,1 Prozent auf 21,30 Euro zu und markierte im Handelsverlauf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 21,52 Euro.

Analysten taxieren Nachbesserungsszenarien

Das bisherige Vorgehen stieß in Essen auf geschlossene Ablehnung. Evonik hatte den Vorstoß von BASF als unzureichend zurückgewiesen und erklärt, dass derzeit keine Gespräche laufen. Laut der Wirtschaftszeitung Financial Times stand eine Summe von 22,15 Euro je Aktie im Raum, was einem Gesamtwert von rund 10,3 Milliarden Euro entsprach.

Am Kapitalmarkt wird dieser Betrag kaum noch als Schlusspunkt der Verhandlungen gesehen. Sebastian Bray vom Analysehaus Berenberg hält eine Spanne von 24 bis 25 Euro je Aktie für denkbar, sollte BASF das Angebot formal erhöhen.

Auch die Analysten von Citi rechneten bereits ein Szenario durch, das von einer Offerte in Höhe von 25 Euro je Aktie ausgeht. Ohne eine Branchenerholung bleibe eine nachhaltige Bewertung des Konzerns oberhalb von 22 Euro aus Sicht von Branchenbeobachtern jedoch anspruchsvoll.

Widerstände und Bedingungen der Anteilseigner

Für eine erfolgreiche Transaktion benötigt jeder Bieter die Zustimmung der RAG-Stiftung, die mit einem Anteil von gut 43 Prozent die größte Aktionärin von Evonik ist.

Zugleich formiert sich Widerstand bei Gewerkschaften und in der Landespolitik: Nordrhein-Westfalens Landesregierung pocht darauf, Arbeitsplätze und die eigenständige Entwicklung des Spezialchemieherstellers nicht zu gefährden. Allein in Nordrhein-Westfalen beschäftigt Evonik 11.000 Mitarbeiter und 850 Auszubildende.

Parallel dazu treibt der Essener Konzern eigene Restrukturierungsmaßnahmen voran. Bis 2029 plant das Management den Abbau von 3.200 Stellen, davon 2.150 in Deutschland. Ob BASFs Überlegungen zu Standort- und Beschäftigungsgarantien ausreichen, um die RAG-Stiftung und das Evonik-Management an den Verhandlungstisch zu bringen, hängt nun vor allem an der tatsächlichen Höhe eines möglichen Folgeangebots.