Im Tauziehen um die Zukunft von Evonik zeichnet sich eine neue Entwicklung ab. Der Chemiekonzern BASF ist bereit, im Zuge einer Übernahme von Evonik Garantien für Standorte und Beschäftigung zu gewähren. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters heute unter Berufung auf zwei Personen aus dem Umfeld von BASF. Ein Insider betonte, man fühle sich daran gebunden und wolle an diesen Zusagen nicht rütteln.

Zugeständnis an Gewerkschaft und Politik

Mit dem Signal zu Bestandsgarantien reagiert Ludwigshafen offenbar auf zunehmende Bedenken von Arbeitnehmervertretern. Bei der Gewerkschaft IG BCE stieß das Vorhaben zuletzt auf deutliche Skepsis.

Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis und Vorstandsmitglied Alexander Bercht hatten in einem Schreiben vor übereilten Schritten gewarnt und einen vollständigen Verkauf von Evonik an BASF infrage gestellt. Bercht sitzt zugleich als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat von Evonik.

Gleichzeitig schaltete sich auch die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen ein. Die dortige SPD-Landtagsfraktion schlug vor, eine direkte Beteiligung des Landes an Evonik zu prüfen. Ziel dieses Vorstoßes war ein Verbund mit der RAG-Stiftung, um gemeinsam eine Kontrollmehrheit von mehr als 50 Prozent der Anteile zu sichern. Das Thema sollte im Düsseldorfer Landtag zur Abstimmung gestellt werden.

Schlüsselrolle der RAG-Stiftung

Die entscheidende Weichenstellung liegt jedoch bei der RAG-Stiftung, die laut Handelsblatt 44 Prozent der Anteile an Evonik hält. Das Stiftungskuratorium war am Freitag vom Vorstand über das Übernahmeinteresse von BASF unterrichtet worden. Ein klarer Beschluss über die Transaktion folgte daraus nicht; die Stiftung verwies stattdessen auf direkte Gespräche zwischen den beiden Chemiekonzernen.

BASF sondiert die Evonik-Übernahme vor rund zwei Wochen, seither legten die Papiere um 2,0 Prozent zu. Eine erste unverbindliche Offerte hatte das Evonik-Management damals zurückgewiesen.

Nach Reuters-Informationen bezifferten Verhandlungskreise das ursprüngliche Angebot auf rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie, während das Handelsblatt das Gesamtvolumen auf rund zehn Milliarden Euro schätzte. Aus Kreisen von BASF verlautete jedoch, dass das bisherige Angebot nicht das letzte Wort sein müsse und Nachbesserungen möglich seien, sollten konkrete Verhandlungen zustande kommen.

Marktreaktion und anstehende Quartalszahlen

An der Börse reagierte das Papier verhalten auf die jüngsten Berichte aus dem Verhandlungsumfeld. Die Evonik-Aktie notiert heute bei 21,02 Euro, was einem Tagesrückgang von 1,9 Prozent entspricht. Trotz dieser leichten Konsolidierung hält sich der Kurs in unmittelbarer Schlagdistanz zu seinem 52-Wochen-Hoch von 21,62 Euro, das am vergangenen Freitag markiert worden war.

Für fundamentale Einblicke in das operative Geschäft sorgt in Kürze der Kapitalmarkt-Kalender. Evonik wird am 3. November den offiziellen Bericht zur Geschäftsentwicklung im dritten Quartal 2026 vorlegen. Bis dahin dürfte das Geschehen vor allem von der Frage geprägt bleiben, ob die Zusicherungen für Standorte und Arbeitsplätze ausreichen, um das Management und die RAG-Stiftung an den Verhandlungstisch zu bewegen.