Ein überraschender Vorstoß aus Ludwigshafen hat Bewegung in die deutsche Chemiebranche gebracht. Die BASF SE ist mit einer unverbindlichen Ansprache an Evonik herangetreten, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien des Essener Spezialchemiekonzerns abzielt. Evonik bestätigte den Eingang der Initiative, stellte jedoch zugleich klar, dass gegenwärtig keine Gespräche zwischen den Parteien geführt werden.

Sondierungsgespräche mit offenem Ausgang

BASF bestätigte gestern ihrerseits Sondierungen mit Evonik sowie mit dessen Großaktionär, der RAG-Stiftung. Das Ludwigshafener Unternehmen betonte allerdings ausdrücklich, dass sowohl der Fortgang als auch das Ergebnis der Gespräche vollkommen offen seien. Laut Reuters hatte zuvor die Financial Times über den Fusionsvorschlag berichtet.

An der Börse löste die Nachricht deutliche Kursbewegungen aus. Zum Handelsschluss am Freitag verbuchte die Evonik-Aktie ein Plus von 7,9 Prozent auf 19,44 Euro. Im Tagesverlauf kletterte das Papier zeitweise bis auf das neue 52-Wochen-Hoch von 20,00 Euro.

Für Anleger richtet sich der Blick vor allem auf die RAG-Stiftung, die als Ankeraktionär eine Schlüsselrolle für jedes denkbare Transaktionsszenario einnimmt. Solange das Evonik-Management keine offiziellen Verhandlungen aufnimmt und die Stiftung sich nicht positioniert, bleibt das Vorhaben ein unverbindliches Abtasten unter Wettbewerbern.

Stellenabbau im Rahmen der Neuausrichtung

Die Übernahmeofferte erreicht Evonik mitten in einem umfassenden Konzernumbau. Erst am Dienstag kündigte das Management die Schärfung seiner Wachstumsstrategie an. Im Rahmen der zweiten Phase des Programms „Evonik Tailor Made“ sollen weltweit 3.200 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund 2.150 Stellen an den deutschen Standorten.

Der Stellenabbau soll nach Unternehmensangaben dazu dienen, finanziellen Spielraum für gezielte Investitionen zu schaffen. Das Portfolio soll nach klar definierten Rollen ausgerichtet werden, während zeitgleich Vorhaben in Asien und Amerika geprüft werden, um die geopolitische Balance des Konzerns zu verbessern. Die Umsetzung dieser Restrukturierungsphase soll im Jahr 2027 beginnen und bis 2029 andauern.

Investitionen in Zukunftsfelder laufen weiter

Ungeachtet der Sparpläne und der Übernahmespekulationen treibt Evonik den Ausbau margenstarker Sparten voran. Am 14. September startete der Konzern an seinem slowakischen Standort Slovenská Ľupča ein Biotechnologie-Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 80 Millionen Euro. Die Maßnahme soll die Auftragsfertigung von pharmazeutischen Wirkstoffen stärken und Anfang 2028 abgeschlossen sein.

Neue Einblicke in den laufenden Geschäftsbetrieb erhalten die Marktteilnehmer in wenigen Wochen. Evonik legt am 3. November die Zahlen für das dritte Quartal 2026 vor.