Das Ringen um die Zukunft von Evonik verlagert sich zunehmend auf das politische Parkett. Am Mittwoch debattierte der nordrhein-westfälische Landtag über das Übernahmeinteresse von BASF an dem Essener Spezialchemiekonzern. Laut dpa liegt weiterhin keine verbindliche Offerte aus Ludwigshafen vor.

Bereits am 10. Oktober hatte die Staatskanzlei in Düsseldorf betont, dass sie auf der Eigenständigkeit von Evonik beharrt. Auch im Kuratorium der RAG-Stiftung gab es Beratungen über die Situation.

Damit formiert sich im Umfeld des Spezialchemiekonzerns eine breite Front des Abwartens. Sowohl die Landespolitik als auch die Stiftung als Ankeraktionärin blicken mit Zurückhaltung auf ein mögliches Zusammengehen. Im Raum stehen erhebliche Bedenken hinsichtlich der industriellen Mitbestimmung und der Sicherung der regionalen Standorte in Nordrhein-Westfalen.

Verhandlungen über Garantien und Bucheinsicht

Auf Konzernebene waren die ersten Avancen bereits auf direkte Ablehnung gestoßen. Evonik hatte eine erste Offerte über 10,3 Milliarden Euro beziehungsweise 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen. Medienberichten zufolge hält sich BASF zwar die Option auf ein höheres Angebot offen, fordert dafür jedoch vorab einen Einblick in die Bücher des Essener Unternehmens.

Um die Vorbehalte abzufedern, signalisierte der Interessent Entgegenkommen bei den Rahmenbedingungen. Personen aus dem Umfeld von BASF erklärten gegenüber Reuters am Montag, der Konzern sei bereit, die bestehenden Standort- und Beschäftigungsgarantien für Evonik vollständig zu übernehmen. Bislang reichte dieses Signal jedoch nicht aus, um die ablehnende Haltung im Management zu verändern.

Portfoliobereinigung und operative Projekte

Unabhängig von der Übernahmedebatte treibt Evonik den Umbau des eigenen Portfolios voran. Für den Verkauf der C4-Sparte Oxeno befinden sich mehrere Finanzinvestoren und strategische Bieter in der zweiten Runde. Die finalen Gebote für den Unternehmensteil werden für November erwartet.

Parallel dazu baut das Unternehmen nachhaltige Geschäftsfelder aus. Gemeinsam mit Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical startete Evonik am Dienstag eine Initiative für ein Recyclingmodell von Polyurethanschaum in Japan. Das Projekt soll geschlossene Stoffkreisläufe für den Kunststoff ermöglichen und neue Perspektiven im asiatischen Markt erschließen.

Marktpreise spiegeln Skepsis wider

An der Börse wird die Unsicherheit über das weitere Vorgehen eingepreist. Am Freitag beendete die Evonik-Aktie den Handel bei 21,32 Euro. Damit liegt der Kurs 2,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 21,84 Euro, das zur Wochenmitte markiert worden war.

Die Zurückhaltung der Marktteilnehmer ist begründet. Da eine formelle Offerte weiter auf sich warten lässt, fehlt den Papieren der Impuls für einen Ausbruch nach oben. Für die weitere Kursentwicklung dürfte ausschlaggebend sein, ob BASF eine verbindliche Offerte vorlegt.