Im Ringen um die eigene Unabhängigkeit sucht der Spezialchemiekonzern Evonik nach Verbündeten. Das Unternehmen wirbt bei Investoren, Gewerkschaften und in der Politik um Unterstützung, um eine Übernahme durch den Branchennachbarn BASF abzuwehren. Unterstützung erhofft sich das Management dabei vor allem von der RAG-Stiftung, während auch die Landespolitik eine aktivere Rolle ins Spiel bringt.

Politische Debatte und abwartende RAG-Stiftung

Die Diskussion über die Zukunft des Essener Konzerns hat inzwischen die Politik erreicht. Am Mittwoch schlug die SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen vor, eine Landesbeteiligung an Evonik zu prüfen, um die Eigenständigkeit des Unternehmens gegenüber BASF zu sichern.

Medienberichten zufolge setzt der Vorstand von Evonik bei der Verteidigung der Unabhängigkeit auf den Rückhalt der RAG-Stiftung. Die Stiftung hält 44 Prozent der Anteile an Evonik.

Eine klare Parteinahme der Großaktionärin blieb bislang jedoch aus. Das Kuratorium der Stiftung ließ sich am Freitag vom Vorstand über das Übernahmeinteresse von BASF informieren, legte sich nach der Sitzung aber nicht fest. Stattdessen verwies das Gremium die beiden Konzerne auf bilaterale Gespräche. Damit bleibt die Haltung des größten Anteilseigners im Übernahmepoker vorerst offen.

Ludwigshafener Vorstoß trifft auf Gegenwehr

Zuvor hatte der Evonik-Vorstand ein Übernahmeangebot von BASF über rund 10,3 Milliarden Euro als zu niedrig zurückgewiesen. Laut Reuters signalisierten BASF-nahe Kreise am Freitag allerdings, dass die bisherige Offerte nicht das letzte Wort sei und bei direkten Gesprächen eine Erhöhung geprüft werden könnte. Von Evonik hieß es dazu bekräftigend, dass weiterhin keine Gespräche mit dem Ludwigshafener Chemiekonzern geführt werden.

Für das Management von Evonik geht es darum, die eigene Strategie gegen den Zugriff von außen zu verteidigen. Neben der Unterstützung durch Arbeitnehmervertreter und regionale Politiker spielt dabei vor allem die Frage eine Rolle, wie nachhaltig das Vertrauen des Kapitalmarkts in die eigenständige Entwicklung des Konzerns ausfällt.

Analystenstimmen und anstehende Geschäftszahlen

Am Kapitalmarkt sorgt das Übernahmeinteresse bereits für Anpassungen. Analyst Sebastian Bray von Berenberg stufte die Evonik-Aktie am 5. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel auf 20 Euro an. Er begründete den Schritt damit, dass das BASF-Interesse dem Kurs auch bei schwächeren Methioninpreisen einen Boden einziehen könne.

Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 21,42 Euro. Neben den weiteren Entwicklungen im Übernahmeduell richtet sich der Blick der Anleger auf die anstehenden Geschäftszahlen: Am 3. November veröffentlicht Evonik den Bericht zum dritten Quartal.