Evonik setzt auf den nächsten großen Wachstumsmarkt. Am 12. Juni 2026 startete in Marl die kommerzielle Fertigung einer neuartigen Spezialmembran. Diese Technologie soll die Produktion von grünem Wasserstoff deutlich günstiger machen. Bisher verhinderten hohe Kosten den industriellen Durchbruch in der Breite.

Angriff auf die Kostenhürde

Die neue Pilotanlage erreicht eine jährliche Kapazität von 2,5 Gigawatt. Damit deckt Evonik rechnerisch ein Viertel des deutschen Ausbauziels bis 2030 ab. Das Verfahren spart teure Edelmetalle wie Platin oder Iridium ein.

Hinzu kommt ein besserer Wirkungsgrad der Anlagen. Die Membran ermöglicht die direkte Erzeugung von Wasserstoff unter Druck. Bisherige Verfahren benötigen dafür oft teure Kompressionsschritte. Evonik spart diesen Energieaufwand ein. Die Folge: Die Produktionskosten sinken spürbar.

Fokus auf den Weltmarkt

Das Management zielt vor allem auf den asiatischen Markt. In Shanghai betreibt der Konzern bereits ein eigenes Technikzentrum. Dort passen Ingenieure die Spezialmembranen an globale Großprojekte an. Der Konzern will seine Position als Technologieführer frühzeitig festigen.

Grüner Wasserstoff gilt als Schlüssel für die klimaneutrale Stahlherstellung. Auch als Langzeitspeicher für erneuerbare Energien ist der Stoff unverzichtbar. Evonik positioniert sich hier als spezialisierter Zulieferer für die industrielle Skalierung.

An der Börse zeigt sich zuletzt ein gemischtes Bild. Die Aktie verlor im vergangenen Monat rund elf Prozent an Wert. Seit Jahresbeginn verbucht das Papier jedoch ein Plus von 18,77 Prozent. Am Freitag notierte der Kurs bei 15,82 Euro.

Evonik will die Abhängigkeit von der klassischen Chemie verringern. Die Wasserstoff-Technologie dient dabei als strategischer Hebel für nachhaltiges Wachstum. Ob die neue Membran zum Standard wird, entscheiden nun die ersten Lieferverträge mit internationalen Anlagenbauern.