Evonik verweigert BASF Verhandlungen, schließt aber ein Gespräch nicht aus. Der Vorstand will eigenständig bleiben, bietet dem Konkurrenten jedoch einen rein informativen und vertraulichen Austausch an. Das ist mehr als ein glattes Nein.
Was Evonik mitteilt
Der Vorstand hat ein Schreiben der BASF vom 22. Oktober über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot nach eigenen Angaben eingehend geprüft. Das Ergebnis: Er tritt nicht in Verhandlungen ein. „Der Vorstand bleibt auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert“, heißt es in der Mitteilung.
Zugleich darf BASF ihre Motive und Erwägungen in einem vertraulichen Rahmen erläutern. Beide Seiten könnten dabei ihre Positionen darlegen. Verhandlungen über einen Preis sind das ausdrücklich nicht.
Im Raum stand zuletzt ein Gebot von 24 Euro je Aktie, das Evonik mit rund 11 Milliarden Euro bewerten soll. Die Evonik-Aktie notierte am Vormittag bei 20,88 Euro, gut ein halbes Prozent im Minus. Die Lücke zum kolportierten Angebot ist damit beträchtlich, der Markt preist die Offerte offenbar nicht als sicher ein.
BASF hatte zuletzt nachgelegt
Erst am Mittwoch hatte BASF-Chef Markus Kamieth bei der Vorlage der Quartalszahlen für einen Zusammenschluss geworben. Ein solcher Schritt sei logisch und komme zum richtigen Zeitpunkt, argumentierte er. Die Portfolios ergänzten sich, gemeinsam entstehe ein widerstandsfähigerer Global Player. Die Konsolidierung der europäischen Chemiebranche habe bereits begonnen.
Um Sorgen um Arbeitsplätze zu zerstreuen, versprach Kamieth in einer Videobotschaft: Betriebsbedingte Kündigungen blieben bis 2032 ausgeschlossen, bestehende Standortvereinbarungen würden übernommen.
Essen und Nordrhein-Westfalen sollten wichtig bleiben, mindestens ein Vorstandsressort wäre dort angesiedelt. Auch zum geplanten Evonik-Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt äußerte er sich: BASF könne die Parks in Marl und Wesseling selbst weiterbetreiben.
Die RAG-Stiftung entscheidet mit
Gewicht hat vor allem die RAG-Stiftung mit rund 43 Prozent der Evonik-Aktien. Sie finanziert die Folgekosten des 2018 eingestellten Steinkohlebergbaus und hat deshalb ein Interesse an einem lukrativen Preis. Politische Bedenken wiegen allerdings ebenfalls schwer, vor allem mit Blick auf Jobs in der angeschlagenen deutschen Chemieindustrie.
Im 13-köpfigen Kuratorium sitzen überwiegend Politiker. Fünf Mitglieder gehören ihm qua Amt an, darunter die Ministerpräsidenten von NRW und dem Saarland, die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen sowie der IG-BCE-Vorsitzende. Das Kuratorium bestellt den Vorstand der Stiftung.
Der nächste feste Termin steht bereits fest: Evonik legt am 3. November Quartalszahlen vor. Ob BASF das Gesprächsangebot annimmt oder die Offerte direkt an die Aktionäre richtet, ist offen.
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