Der Aufsichtsrat räumt den Chefposten, und die Begründung fällt ungewöhnlich deutlich aus. Helen Giza habe „keine neuen Ideen, keine Vision“ gehabt, „Sparzwang“ reiche nicht, sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Stefanie Balling. Der Dialysekonzern ordnet seine Führung neu, die Anleger reagieren verunsichert.
Wechsel mit Ansage, aber ohne Vorwarnung
Der Aufsichtsrat bestellte Shervin Korangy einstimmig zum Vorstandsvorsitzenden, wie das Unternehmen per Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab. Er übernimmt am 12. Oktober. Giza scheidet zum Ablauf des 11. Oktober aus, obwohl ihr Vertrag regulär bis 2027 gelaufen wäre. Korangy legte sein Aufsichtsratsmandat nieder, das er seit 2023 innehatte. Als designierte Nachfolgerin in dem Gremium ist Ann Custin vorgesehen.
Die Aktie schloss am Vorabend knapp sieben Prozent im Minus und gab am Donnerstag weiter nach, zuletzt auf rund 36,70 Euro. Das entspricht dem Niveau von Anfang Juni. JPMorgan-Analyst David Adlington nannte Nachricht wie Zeitpunkt überraschend, schließlich habe der Konzern gerade ein als schwierig erwartetes Quartal beendet.
Strategiewechsel auf dem Programm
Genaue Gründe nannte das Unternehmen nicht. Presseberichten zufolge erfolgt der Abgang nicht im gegenseitigen Einvernehmen. Die auf dem letzten Kapitalmarkttag vorgestellte Strategie soll nicht gezündet haben, zudem sei der Konzern gegenüber dem Konkurrenten DaVita ins Hintertreffen geraten.
Aufsichtsratschef Michael Sen, zugleich Chef des Großaktionärs Fresenius, sieht die Ziele der Transformation weitgehend erfüllt. Für die nächste Wachstumsphase brauche es ein anderes Führungsprofil. Citigroup-Analystin Veronika Dubajova leitet daraus ab, dass der Fokus weg von Kosteneffizienz und Margen hin zu Umsatzwachstum und Reinvestitionen rücken dürfte.
Giza hatte nach ihrem Amtsantritt Ende 2022 ein Sparprogramm angestoßen, das bis 2027 Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro bringen soll. In den USA kämpft FMC allerdings weiter mit hoher Patientensterblichkeit und schwachem Wachstum bei den Behandlungen. Das laufende Jahr hatte Giza als Übergangsjahr bezeichnet und einen deutlichen Ergebnisrückgang nicht ausgeschlossen.
Der neue Mann
Korangy, 51, führte fast ein Jahrzehnt lang den Augenchirurgie-Spezialisten BVI Medical und baute ihn zu einer Plattform mit Produkten in fast 90 Ländern aus. Zuvor war er bei Novartis in Vertriebsfunktionen und als globaler Finanzchef tätig, seine Laufbahn begann er bei Blackstone mit Schwerpunkt auf Restrukturierung und Private Equity. Sen verweist auf seine Expertise bei operativer Transformation und Kapitalallokation.
Die Analystenziele liegen derzeit zwischen 30 und 44 Euro. Den ersten Hinweis auf Korangys Kurs dürfte sein Amtsantritt am Montag liefern, wenn der neue Vorstandschef seine Prioritäten erstmals intern festlegt.
Fresenius Medical Care-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Fresenius Medical Care-Analyse vom 8. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten Fresenius Medical Care-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Fresenius Medical Care-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Fresenius Medical Care: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

