Fast auf Jahrestief, fast 50 Prozent unter dem Oktoberhoch — Friedrich Vorwerk erlebt gerade einen Kursverfall, der weit mehr als einen schlechten Handelstag widerspiegelt. Hinter dem Absturz steckt ein konkreter Gesetzgebungsplan, der das Kerngeschäft des Unternehmens treffen könnte.
Das Gesetz, das alles verändert
Am Donnerstag, 11. Juni, debattiert der Bundestag in erster Lesung den Entwurf zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes. Der Kern: Neue Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen sollen künftig grundsätzlich als Freileitungen gebaut werden. Der bisherige Erdkabelvorrang für neue Gleichstromverbindungen fiele damit weg.
Für Friedrich Vorwerk ist das strukturell unangenehm. Das Unternehmen hat sich auf die Erdverlegung spezialisiert — genau der Bereich, den die Bundesregierung aus Kostengründen zurückdrängen will. Jefferies-Analyst Martin Comtesse bleibt deshalb bei „Underperform“ mit Kursziel 65 Euro und verweist auf mögliche Verschiebungen im Projektmix hin zu weniger erdverlegungsintensiven Lösungen.
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Noch ist das Gesetz nicht durch. Der Bundesrat hat dem Entwurf noch nicht zugestimmt — und es wäre nicht das erste Vorhaben dieser Art, das scheitert.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Die operative Realität sieht anders aus als der Kurs vermuten lässt. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 139,2 Millionen Euro, die Margen legten überproportional zu. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand Umsätze zwischen 730 und 780 Millionen Euro sowie ein EBITDA von 160 bis 180 Millionen Euro.
Die Bilanz gibt kaum Anlass zur Sorge. Die Nettoliquidität lag Ende März bei 232,7 Millionen Euro — genug Puffer für Investitionen und Zukäufe aus eigener Kraft.
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Berenberg sieht genau das als Argument und hält an der Kaufempfehlung mit Kursziel 110 Euro fest. Die Spannweite zwischen beiden Analystenmeinungen — 65 versus 110 Euro — zeigt, wie uneinig der Markt über das tatsächliche Risiko des Gesetzentwurfs ist.
Dividende verdaut, Jahrestief in Sicht
Die Hauptversammlung Anfang Juni beschloss eine Gesamtdividende von 1,10 Euro je Aktie: 0,70 Euro Basisdividende — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr — plus 0,40 Euro Sonderdividende für das Rekordjahr 2025. Der Dividendenabschlag vom 2. Juni ist inzwischen verdaut. Der anhaltende Druck kommt aus der Gesetzgebungsdebatte, nicht aus der Ausschüttung.
Mit 56,30 Euro am Freitagabend notiert die Aktie nur noch 0,72 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 55,90 Euro — und rund 47 Prozent unter dem Oktoberhoch. Der RSI liegt bei 31, technisch also im überverkauften Bereich. Ob das eine Bodenbildung einleitet oder das Tief erst nach der Bundestagsdebatte am 11. Juni fällt, hängt maßgeblich davon ab, wie das parlamentarische Signal interpretiert wird. Die Halbjahreszahlen am 13. August liefern dann den nächsten fundamentalen Anker.
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