Fuelcell Energy erlebt eine Zeitenwende. Der Brennstoffzellen-Hersteller drängt ins Rechenzentrum-Geschäft — und plötzlich will die ganze Welt saubere Energie für Künstliche Intelligenz.

Die Aktie kennt seit Wochen nur eine Richtung: steil nach oben. Am 1. Juli erreichte sie ein 52-Wochen-Hoch von 34,18 Euro. Dann setzte Gewinnmitnahmen ein. Der Kurs fiel auf 24,62 Euro zurück.

Kein Wunder bei derart extremen Schwüngen. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 182 Prozent. Der Markt tastet sich an eine neue Bewertung heran.

Das Rechenzentrum als Gamechanger

Der entscheidende Wendepunkt: CEO Jason Few meldete einen Projekt-Pipeline von 4 Gigawatt (GW) für das zweite Quartal. Das ist ein Plus von mehr als 250 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Fast 89 Prozent dieser Pipeline entfallen inzwischen auf Rechenzentren.

Die Branche sucht händeringend nach zuverlässiger, sauberer Energie für KI-Infrastruktur. Fuelcell Energy scheint genau das zu liefern.

Ein 380-MW-Vertrag mit Fit Energy für KI-Rechenzentren unterstreicht die Ambitionen. Um die Nachfrage zu bedienen, baut das Unternehmen seine Fertigung in Torrington, Connecticut aus. Das Ziel: eine Jahresproduktion von 100 MW ab Ende 2026. Langfristig sind 500 MW angepeilt. Die Kosten: zwischen 200 und 275 Millionen Dollar.

Finanzielle Stütze aus Washington

Parallel dazu verbessert sich die Kapitalstruktur. Die US-Export-Import-Bank (EXIM) bewilligte 49 Millionen Dollar für den Export von Brennstoffzellen nach Südkorea. Die erste Tranche von rund 22 Millionen Dollar floß Ende Juni. Eine zweite folgt im Herbst.

CFO Michael Bishop betonte, das Kapital helfe beim Skalieren, ohne Aktionäre zu verwässern. Das ist wichtig, denn die Zahlen sind durchwachsen. Der Umsatz im zweiten Quartal lag bei 35,6 Millionen Dollar — ein Rückgang um fünf Prozent zum Vorjahr. Der Nettoverlust betrug 77,6 Millionen Dollar, inklusive einer außerordentlichen Wertberichtigung von 42,6 Millionen Dollar.

Der Auftragsbestand bleibt mit 1,14 Milliarden Dollar indes solide.

Ausblick

Das Papier liegt aktuell 28 Prozent unter seinem jüngsten Hoch. Der RSI von 57,8 deutet darauf hin, dass die Überkauft-Signale nach der Korrektur abgebaut sind. Für die zweite Jahreshälfte hoffen Anleger auf Fortschritte beim Ausbau der Datenzentren. Ein wichtiger Meilenstein: die Lieferung von fünf 2,8-MW-Brennstoffzellen nach Südkorea.