Active Ownership legt bei Gerresheimer nach — ausgerechnet in einer Phase, in der der Verpackungsspezialist Bilanzfehler aufarbeitet, Töchter verkauft und um Vertrauen wirbt. Der Luxemburger Investor baut seine Position weiter aus und verschafft sich damit mehr Gewicht vor der nächsten Hauptversammlung. Das dürfte die Machtbalance im Aufsichtsrat spürbar verändern.
Am Dienstag notiert die Aktie bei 28,24 Euro, ein Plus von 1,44 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Kurssprung von 63,62 Prozent, über zwölf Monate bleibt aber ein Verlust von 54,82 Prozent.
Active Ownership erhöht den Einsatz
Active Ownership hält gemeinsam mit verbundenen Vehikeln nun 15,19 Prozent an Gerresheimer. Zuvor lag der Anteil bei 14,70 Prozent, der direkte Stimmrechtsanteil stieg auf 12,01 Prozent.
Die jüngsten Käufe wurden über Xetra abgewickelt und im Rahmen von Directors’-Dealings-Mitteilungen veröffentlicht. Die gemeldeten Preise lagen grob im Bereich von 25 Euro je Aktie. Für den Markt ist das Signal klar: Der Aktivist stockt nicht am Rand auf, sondern mitten in einer Phase hoher Unsicherheit.
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Der Zeitpunkt ist wichtig. Auf der noch nicht terminierten Hauptversammlung stehen mehrere Aufsichtsratsmandate der Kapitalseite zur Wahl. Klaus Röhrig, Mitgründer von Active Ownership, gehört zu den Kandidaten und hat bereits das Mandat von Dorothea Wenzel übernommen.
Aufsichtsrat wird zum Hebel
Damit übersetzt Active Ownership die Beteiligung in direkten Einfluss. Je größer der Stimmrechtsblock, desto stärker kann der Investor bei der Besetzung des Kontrollgremiums mitreden.
Bei Gerresheimer ist das besonders sensibel. Mit der Hauptversammlung laufen auch die Mandate von Axel Herberg, Andrea Abt und Annette G. Köhler aus. Der Aufsichtsrat wird damit zu einem zentralen Ort der Neuordnung, während das Unternehmen operative und bilanzielle Baustellen schließen muss.
Im Kern der Krise stehen Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber später aus und erfasste Umsätze zu früh. Die fehlerhaften Buchungen betreffen 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.
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Bilanz, Centor, Finanzierung
Die Aufarbeitung läuft auf mehreren Ebenen. Neben der BaFin befasst sich auch die Abschlussprüferaufsicht APAS mit KPMG, nachdem der Abschlussprüfer den Jahresabschluss 2024 ohne Einschränkung testiert hatte. Der Aktionärsschutzverband DSW erhöht parallel den Druck auf frühere Führungskräfte.
Operativ treibt Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor voran. Der Bieterprozess läuft, Morgan Stanley begleitet das Verfahren. Das Management rechnet noch in diesem Jahr mit dem Vollzug.
Hinzu kommt der Umbau im Produktionsnetz. Die Glasfabrik in Chicago Heights soll bis Ende 2026 schließen, die Produktion wandert nach Italien und Indien. Für 2026 peilt der Vorstand Erlöse von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent an.
Der nächste harte Marker folgt im Juni 2026: Dann muss Gerresheimer den testierten Jahresabschluss für 2025 vorlegen und die Finanzierung stabilisieren. Schuldschein-Inhaber haben bereits einer Fristverlängerung bis Ende September zugestimmt, was dem Unternehmen Zeit verschafft — aber den Druck nicht vom Tisch nimmt.
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