Gerresheimer hat nicht nur ein Kursproblem. Der Verpackungsspezialist kämpft mit einer Vertrauenslücke, die aus offenen Bilanzfragen, regulatorischen Prüfungen und juristischem Druck gespeist wird. Der Juni dürfte zum ersten echten Belastungstest werden.
Die Aktie notiert bei 24,90 Euro und liegt auf Wochensicht 10,69 Prozent im Minus. Zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt ein Abstand von 8,69 Prozent nach unten. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Verlust von 58,84 Prozent, obwohl der Kurs inzwischen deutlich über dem Tief vom Februar liegt.
BaFin prüft die Rechnungslegung
Der Kern des Problems liegt in der Bilanzierung. Die Finanzaufsicht BaFin sieht konkrete Anhaltspunkte für mögliche Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften. Am 6. März 2026 leitete sie eine Prüfung des Konzernzwischenabschlusses für den Zeitraum vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Mai 2025 ein.
Im Zentrum stehen mehrere Felder: die Risikobeurteilung der Bormioli-Finanzierung, mögliche nicht erfasste Wertminderungen und Umsatzerlöse aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Gerade diese Konstruktionen sind sensibel, weil Umsätze dabei vor der physischen Auslieferung erfasst werden können.
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Eine erste Anlassprüfung hatte die BaFin bereits am 18. September 2025 gestartet und später erweitert. Im Raum stehen unter anderem Leasingverbindlichkeiten mit einem Buchwert von 65,5 Millionen Euro, aktivierte Entwicklungskosten mit 29,4 Millionen Euro sowie Vermögenswerte im Segment Advanced Technologies von 196,5 Millionen Euro.
Centor-Verkauf soll entlasten
Parallel arbeitet das Management am Portfolio. Morgan Stanley ist mandatiert, die US-Tochter Centor zu veräußern. Ende 2024 stand die Sparte mit 292 Millionen Euro in den Büchern.
Der Verkauf kann Liquidität schaffen und die Bilanz entlasten. Einfach ist der Schritt trotzdem nicht. Centor erzielt überdurchschnittliche Margen, ein Verkauf könnte die Profitabilität des verbleibenden Konzerns zusätzlich drücken.
Damit steckt Gerresheimer in einem klassischen Zielkonflikt. Die Bilanz braucht Entlastung, das operative Profil braucht Ertragskraft. Beides gleichzeitig zu erreichen, wird schwierig.
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Juristischer Druck nimmt zu
Neben der BaFin beschäftigen sich auch Aktionärsschützer mit dem Fall. Die DSW prüft Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen Vorstandschef Dietmar Siemssen und Finanzvorstand Bernd Metzner. Es geht um mögliche IFRS-Verstöße bei Bill-and-Hold-Vereinbarungen in den Geschäftsjahren 2024 und 2025.
Auch die Abschlussprüferaufsicht APAS untersucht den Vorgang. Im Blick steht KPMG, nachdem der Prüfer den Jahresabschluss 2024 trotz umstrittener Bill-and-Hold-Transaktionen über 35 Millionen Euro uneingeschränkt testiert hatte. Inzwischen ist mit Grant Thornton eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in die Bilanzierungsthemen eingebunden.
Operativ hält der Konzern an seiner Prognose fest. Für 2026 erwartet Gerresheimer Erlöse von rund 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll etwa 18 bis 19 Prozent erreichen.
Die Kreditgeber geben dem Unternehmen mehr Zeit. Banken und Schuldschein-Investoren akzeptieren die Vorlage des testierten Abschlusses nun bis zum 30. September 2026; wichtige Bedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis Ende des dritten Quartals ausgesetzt.
Der nächste harte Termin ist der Juni 2026. Dann will Gerresheimer den testierten Jahres- und Konzernabschluss veröffentlichen, kurz danach soll die Quartalsmitteilung folgen. Bei einer Short-Quote von rund 11,4 Prozent bleibt die Aktie anfällig, bis die offenen Bilanzfragen belastbar eingeordnet sind.
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