Innerhalb weniger Tage stieg die Gerresheimer-Aktie um fast 50 Prozent vom Jahrestief — und verlor davon einen Teil genauso schnell wieder. Hinter dieser Volatilität steckt mehr als nur Marktnervosität.

Leerverkäufer bremsen die Erholung

Am Dienstag schloss das Papier bei 28,45 Euro, ein Plus von rund 2 Prozent. Am Mittwoch folgte der Rückschlag: minus 6,8 Prozent auf 26,38 Euro. Der Relative-Stärke-Index hatte zuvor 71 überschritten — ein Signal für eine überkaufte Lage.

Kein Wunder, dass Gewinnmitnahmen folgten.

Die Shortquote liegt bei rund 11,4 Prozent. Das ist deutlich über dem Zwölfmonatsdurchschnitt. Arrowstreet Capital baute seine Short-Position leicht ab. Millennium International Management LP erhöhte sie. Das Ergebnis: jede Erholungsbewegung steht unter Druck.

Bilanz verzögert, Covenant-Fristen verlängert

Das eigentliche Problem liegt tiefer. Der testierte Jahresabschluss 2025 erscheint erst im Juni 2026. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüft Bilanzvorgänge aus Vorjahren — das dauert länger als geplant.

Die Kreditgeber haben mitgezogen. Sie verlängerten die Covenant-Fristen bis Ende September 2026. Das verschafft dem Vorstand Zeit für zwei Aufgaben: die Bilanzierung abschließen und den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. vorantreiben.

Centor soll zur Entschuldung beitragen. Laut Unternehmen befinden sich bereits eine zweistellige Anzahl von Interessenten im Prozess. Ein Abschluss ist noch für 2026 geplant.

Juni als Schlüsseltermin

Die Veröffentlichung der testierten Zahlen im Juni wird zum konkreten Test. Kommen die Berichte ohne weitere negative Überraschungen, könnte das die Grundlage für eine Neubewertung legen. Treten neue Bilanzprobleme auf, dürften die Leerverkäufer ihre Positionen schnell ausbauen.