Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE stemmt sich gegen ein rasches Zusammengehen von BASF und Evonik. In einem Schreiben an die Betriebsräte beider Konzerne warnt die Gewerkschaftsspitze vor voreiligen Schritten und fordert verbindliche Zusagen für Standorte und Beschäftigte, bevor offizielle Verhandlungen beginnen. Größer sei nicht automatisch besser, mahnen die Arbeitnehmervertreter mit Blick auf die Pläne aus Ludwigshafen.
Skepsis an den Standorten
Der Vorstoß von BASF trifft auf eine ohnehin angespannte Lage in der deutschen Chemieindustrie. Hohe Kosten und struktureller Druck belasten die heimischen Werke seit Jahren. Beide Konzerne stecken mitten in tiefgreifenden Anpassungen. Vor diesem Umstand verlangt die Gewerkschaft konkrete Antworten darauf, welches langfristige Konzept BASF den Belegschaften beider Seiten vorlegen will.
Zugleich richtet sich die Kritik an die Führung von Evonik selbst. Das Management muss darlegen, wie eine eigenständige Zukunft des Essener Spezialchemiekonzerns aussehen soll. Insbesondere steht die Frage im Raum, wann die strategischen Initiativen greifen, für die der vorangegangene Personalabbau den Weg bereiten sollte.
Die Schlüsselrolle der RAG-Stiftung
Im Zentrum der Debatte steht die RAG-Stiftung. Sie hält 43 Prozent der Evonik-Anteile und ist damit die mit Abstand größte Anteilseignerin. Ein Verkauf dieses Pakets würde weitreichende Folgen für die Stiftung nach sich ziehen, die für die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus aufkommen muss.
Fällt die Dividende von Evonik weg, müsste die Stiftung ihr übriges Vermögen künftig deutlich rentabler anlegen, um die Verpflichtungen zu decken. Ein überzeugendes Konzept für diesen Fall fehle bislang. Die Gewerkschafter, die selbst in den Aufsichtsgremien von BASF, Evonik und dem Stiftungskuratorium vertreten sind, fordern daher eine klare Haltung der Stiftung zur künftigen Ausrichtung.
Vor knapp zwei Wochen war bekannt geworden, dass BASF eine unverbindliche Ansprache für ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot sämtlicher Aktien von Evonik unternommen hat. Direkte Gespräche finden gegenwärtig nicht statt, und der Ausgang der Sondierungen bleibt nach Angaben von BASF offen.
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