Innerhalb von 72 Stunden haben Nvidia, Alphabet, SAP, Palantir und SoftBank zusammen Dutzende Milliarden in die physische Grundlage der KI-Ökonomie gesteckt. Die Botschaft ist eindeutig: Wer die Infrastruktur kontrolliert — Glasfaser, Speicher, Rechenzentren, Daten —, kontrolliert die nächste Dekade.
Nvidia: Kupfer weicht Glas
Der Chipgigant hat diese Woche den wohl weitreichendsten Deal des Jahres eingefädelt. Gemeinsam mit dem Glasfaser-Spezialisten Corning will Nvidia die optische Vernetzung seiner KI-Rechenzentren auf ein neues Niveau heben. Konkret sichert sich Nvidia das Recht, bis zu 3,2 Milliarden Dollar in Corning zu investieren, inklusive Warrants für 15 Millionen Corning-Aktien zu je 180 Dollar.
Der strategische Kern geht weit über eine bloße Lieferantenbeziehung hinaus. In Nvidias Rack-Systemen der nächsten Generation könnten Tausende Kupferkabel durch hauchdünne Glasfasern ersetzt werden. Photonen statt Elektronen — das senkt den Energieverbrauch um den Faktor fünf bis zwanzig. Corning baut dafür seine US-Fertigungskapazitäten für optische Konnektivität um das Zehnfache aus und errichtet drei neue Produktionsstätten in North Carolina und Texas.
Die Aktie quittierte die Nachricht mit einem Tagesplus von über 5,6 Prozent. Bei aktuell 177,24 Euro liegt der Kurs rund zehn Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. 37 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Zwölfmonatsziel von umgerechnet rund 270 Dollar — gut 30 Prozent über dem aktuellen Niveau.
SAP: Europas teuerste KI-Wette auf Tabellendaten
Während die US-Konkurrenz Milliarden in Chips und Cloud pumpt, setzt SAP auf eine Schwachstelle großer Sprachmodelle: strukturierte Unternehmensdaten. Anfang der Woche verkündeten die Walldorfer gleich zwei Übernahmen — den Data-Lakehouse-Anbieter Dremio und das Freiburger KI-Labor Prior Labs.
Letzteres ist der eigentliche Paukenschlag. SAP will über die nächsten vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro investieren, um Prior Labs zum weltweit führenden Forschungslabor für sogenannte Tabular Foundation Models auszubauen. Diese Modelle sind spezialisiert auf tabellarische Geschäftsdaten: Zahlungsausfälle, Lieferkettenrisiken, Abwanderungswahrscheinlichkeiten — Bereiche, in denen herkömmliche LLMs erstaunlich schlecht abschneiden.
Für ein europäisches Unternehmen ist das eine beispiellose KI-Forschungsinvestition. Der Abschluss wird für das zweite oder dritte Quartal 2026 erwartet.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?
An der Börse zeigt sich SAP allerdings angeschlagen. Mit 147,88 Euro notiert die Aktie rund 46 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch — ein Abstand, der unter den hier betrachteten KI-Werten seinesgleichen sucht. Der durchschnittliche Analysten-Zielkurs von 232 Euro signalisiert erhebliches Aufholpotenzial. 21 Kaufempfehlungen stehen lediglich vier Halte-Ratings gegenüber, Verkaufsempfehlungen gibt es keine.
Palantir: Rekordwachstum trifft auf Bewertungsschwindel
Palantir lieferte im ersten Quartal 2026 die stärksten Zahlen seit dem Börsengang — und wurde dafür abgestraft. Die Aktie verlor am Dienstag knapp sieben Prozent, nachdem DA Davidson das Kursziel von 180 auf 165 Dollar senkte. Das Paradox der Palantir-Aktie in Reinform.
Die Zahlen selbst waren beeindruckend:
- Umsatz: 1,63 Milliarden Dollar (erwartet: 1,54 Milliarden), ein Wachstum von rund 85 Prozent
- Bereinigter Gewinn je Aktie: 0,33 Dollar gegenüber erwarteten 0,28 Dollar
- Nettoergebnis: 870,5 Millionen Dollar — eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr
- US-Geschäft: erstmals über 100 Prozent Wachstum im Jahresvergleich
Das Management hob die Jahresprognose deutlich an und peilt nun 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar Umsatz für 2026 an — ein Plus von 71 Prozent und spürbar über dem Konsens von 7,27 Milliarden. Die Rule-of-40-Kennzahl stieg auf 145.
Das Problem bleibt die Bewertung. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 215 und einer Marktkapitalisierung von etwa 325 Milliarden Dollar ist kein Spielraum für Enttäuschungen. Entsprechend gespalten fällt die Analystenlandschaft aus: Rosenblatt erhöhte das Ziel auf 225 Dollar mit Kaufempfehlung, Jefferies hält an seiner Verkaufsempfehlung fest. Selbst bei zwölf Milliarden Dollar Umsatz 2027 ergäbe sich noch ein Vielfaches von 31 auf den Unternehmenswert. Bei 113,84 Euro handelt Palantir mittlerweile gut acht Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.
SoftBank: Speicherchips und Roboter-Rechenzentren
Masayoshi Son spielt auf zwei Feldern gleichzeitig — und beide zielen auf die physischen Engpässe der KI-Infrastruktur.
Auf der Halbleiterseite steht die Tochter SAIMEMORY bereit, gemeinsam mit Intel eine neuartige 3D-DRAM-Technologie namens ZAM vorzustellen. Japans Förderagentur NEDO hat das Projekt bereits für Subventionen ausgewählt. ZAM verspricht eine zwei- bis dreifach höhere Speicherbandbreite als heutiger HBM3-Speicher — bei deutlich geringerem Energiebedarf. Sollte die Technologie skalieren, könnte sie zum neuen Standard für KI-Beschleuniger werden.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?
Noch ambitionierter ist der Plan für die neue Einheit Roze. Unter diesem Dach bündelt SoftBank Übernahmen wie ABB Robotics und Ampere Computing zu einem KI-Robotik-Konzern, dessen autonome Maschinen US-Rechenzentren bauen sollen. Ein Börsengang mit einer Zielbewertung von 100 Milliarden Dollar wird bereits für die zweite Jahreshälfte 2026 vorbereitet. Im Juli soll ein Analyst Day in einem texanischen Rechenzentrum Investoren überzeugen.
Die SoftBank-Aktie hat allein im vergangenen Monat über 41 Prozent zugelegt und sich in den letzten zwölf Monaten verdreifacht.
Alphabet: Anleihen-Offensive und der Anthropic-Trumpf
Alphabet markierte gestern mit 338,85 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Innerhalb von 30 Tagen hat die Aktie fast 29 Prozent zugelegt — ein Tempo, das selbst für Mega-Caps außergewöhnlich ist. Zwei Entwicklungen treiben die Rallye.
Erstens: eine historische Anleihen-Offensive. Der Konzern platzierte Euro-Bonds über neun Milliarden Euro in sechs Tranchen und sammelte zusätzlich 8,5 Milliarden Kanadische Dollar ein — die größte Investment-Grade-Emission in der Geschichte des kanadischen Anleihemarkts. Zusammen brachte das knapp 17 Milliarden Dollar frisches Kapital. Die Orderbücher waren mit über 18 Milliarden Euro bei der Euro-Tranche deutlich überzeichnet.
Zweitens: die sich vertiefende Partnerschaft mit Anthropic. Das KI-Startup hat offenbar zugestimmt, rund 200 Milliarden Dollar für Google-Cloud-Dienste auszugeben. Parallel steht ein Investment von bis zu 40 Milliarden Dollar in Anthropic im Raum — beginnend mit zehn Milliarden bei einer Bewertung von 350 Milliarden Dollar. Alphabet stellt dem Startup zudem fünf Gigawatt an Rechenkapazität bereit.
Die Quartalszahlen untermauern den Kurs: Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 109,9 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie bei 5,11 Dollar, die operative Marge bei 36,1 Prozent. Mizuho-Analyst James Lee hob sein Kursziel auf 460 Dollar an und verwies auf unterschätztes Cloud-Wachstum. Für das Gesamtjahr plant Alphabet Investitionen von 180 bis 190 Milliarden Dollar.
Infrastruktur als neue Frontlinie der KI-Branche
Die Ereignisse dieser Woche zeichnen ein klares Bild. Die entscheidende Frage im KI-Sektor lautet nicht mehr, wer das beste Modell trainiert — sondern wer die physische Basis kontrolliert: die Glasfasern, die Chips verbinden; den Speicher, der sie füttert; die Rechenzentren, die alles beherbergen; und die Kapitalmärkte, die den Bau finanzieren.
Die Investitionsbudgets der großen Tech-Konzerne steuern 2026 auf über 700 Milliarden Dollar zu, nach rund 410 Milliarden im Vorjahr. Der Anleihemarkt hat sich dabei zum wichtigsten Finanzierungsinstrument entwickelt.
Nvidia verlagert den Engpass von Chips auf Konnektivität. SAP attackiert die Schwäche von Sprachmodellen bei Geschäftsdaten. Palantir beweist, dass operative KI — im echten Workflow, nicht in der Demo — Premiumpreise erzielt. SoftBank wettet darauf, dass der nächste Flaschenhals die physische Baukapazität sein wird. Alphabet positioniert sich als bevorzugter Infrastrukturlieferant für Frontier-Modelle. Ob die Monetarisierung mit dem Tempo der Ausgaben mithalten kann, wird über Gewinner und Verlierer der nächsten Jahre entscheiden.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 7. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

