Sechs Abnehmer, 20 Kilogramm pro Lieferung, drei Elektroautohersteller und drei Batterieunternehmen — Graphite One hat am Freitag einen konkreten Schritt vom Rohstoffprojekt zum Industrielieferanten vollzogen. Das kanadische Unternehmen bestätigte die Auslieferung kommerzieller Anodenmaterial-Muster und eröffnete damit die formale Spezifikationstestphase bei potenziellen Großkunden.
Ohne diesen Schritt gibt es keine Langfristverträge. In der Automobil- und Energiespeicherbranche ist die technische Validierung durch den Abnehmer Pflicht, bevor verbindliche Liefervereinbarungen überhaupt verhandelt werden können.
Bindende Gespräche, noch kein Vertrag
Parallel zur Testphase hat Graphite One mit Teilnehmern aus der Testgruppe bindende Abnahmeverhandlungen aufgenommen. Unterzeichnet ist noch nichts — der Übergang von unverbindlichem Interesse zu formeller kommerzieller Verhandlung ist aber vollzogen.
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Der Hintergrund macht den Druck auf solche Projekte verständlich: Die USA importieren derzeit 100 Prozent ihres Bedarfs an natürlichem Graphit. Graphite One will diese Abhängigkeit mit einem vertikal integrierten Modell durchbrechen — von der Graphite-Creek-Mine in Alaska bis zur geplanten Verarbeitungsanlage im ohioischen Conneaut.
Produktion und Zeitplan
Die geplante Anlage für aktive Anodenmaterialien in Ohio soll in zwei Phasen hochgefahren werden. Phase eins zielt auf 10.000 Tonnen pro Jahr, aufgeteilt in drei Produktströme:
- 4.000 Tonnen für Energiespeichermaterialien
- 3.000 Tonnen für Schnellladeapplikationen
- 3.000 Tonnen für Hochenergiedichte-Batterien
Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2027 geplant. Phase zwei soll im dritten Quartal 2028 folgen und die Graphitierungskapazität auf 25.000 Tonnen pro Jahr ausweiten.
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Der Standort Conneaut in Ashtabula County bietet direkten Zugang zum Großen-Seen-Schifffahrtskorridor über den Eriesee sowie Mehrlinien-Bahnanschluss über die Canadian National Railway. Das Material soll vom Hafen Nome in Alaska per Schiff nach Ohio transportiert werden — eine vollständig amerikanische Lieferkette.
Kurs hinkt der Meldung hinterher
Am Markt kommt die Nachricht bislang nicht an. Die Aktie verliert heute rund fünf Prozent auf 0,71 Euro und notiert damit mehr als 53 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 1,52 Euro aus dem Januar. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus fast 40 Prozent.
Das Ergebnis der laufenden Spezifikationstests wird entscheiden, ob und wann aus den Abnahmegesprächen echte Verträge werden — und damit, ob Graphite One den Sprung vom Entwickler zum aktiven Industrielieferanten schafft, bevor das Kapital knapp wird.
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