Zwei Baustellen, ein Konzern: Graphite One kämpft mit einer Verzögerung bei seiner Mine in Alaska, macht aber bei der geplanten Anodenfabrik in Ohio Tempo. Die Aktie reagiert am Mittwoch mit einem Plus von 1,93 Prozent auf 0,58 Euro. Der Jahresverlust bleibt trotzdem gewaltig: minus 50,55 Prozent seit Januar.

Ingenieurvertrag bringt Ohio-Werk voran

Graphite One hat einen Ingenieurvertrag mit einem spezialisierten Anlagenbauer unterschrieben. Die Firma soll die Fertigungssysteme für die geplante Anodenfabrik in Conneaut, Ohio, optimieren und produktionsreif machen. Ziel bleibt eine heimische Kapazität von 25.000 Tonnen synthetischem Graphit pro Jahr bis zum vierten Quartal 2028.

Das Unternehmen hat auf dem Ohio-Gelände bereits geotechnische Bohrungen abgeschlossen. Die Umweltprüfung und das Genehmigungsverfahren laufen, ein Abschluss ist für das erste Quartal 2027 anvisiert. Die Entwicklung läuft gestaffelt: 10.000 Tonnen Anodenmaterial-Verarbeitung sollen bis Ende 2027 stehen, die volle Kapazität von 25.000 Tonnen folgt 2028.

Der Gesamtplan verbindet mehrere Standorte. Rohmaterial aus der Graphite-Creek-Lagerstätte in Alaska soll über den Hafen von Nome nach Ohio transportiert und dort zu batteriefähigem Graphit und Anodenmaterial verarbeitet werden. Eine angeschlossene Recyclinganlage für Batteriematerialien ist ebenfalls angedacht, hängt aber von der Projektfinanzierung ab.

Genehmigungsverfahren in Alaska bremst

Der Fortschritt in Ohio steht im Schatten eines Rückschlags in Alaska. Das US Army Corps of Engineers hat entschieden, dass für die Graphite-Creek-Mine eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist statt der einfacheren Umweltprüfung. Das verlängert den Zeitplan um schätzungsweise ein Jahr.

Die Reaktionen vor Ort fallen gemischt aus. Cindy Towarak, Präsidentin der Bering Straits Native Corporation, begrüßte die Entscheidung als „umfassenderen Ansatz“, der Nutzern der traditionellen Subsistenzwirtschaft mehr Raum für ihre Anliegen gebe. Graphite One reagiert darauf mit weiteren Gesprächen vor Ort: Nachdem ein Gemeindetreffen im Juni wegen der Subsistenzperiode verschoben werden musste, kehrt das Unternehmen am 28. Juli nach Brevig Mission zurück.

CEO Anthony Huston zeigt sich von der Verzögerung unbeeindruckt. Sein Team habe sich während des gesamten Prozesses auf ein Prüfverfahren dieser Tiefe vorbereitet, sagte er nach der Entscheidung. Man bleibe zuversichtlich, das Projekt bis zum anvisierten Produktionsstart 2029 umzusetzen.

Charttechnik bleibt angespannt

Trotz des Tagesgewinns zeigt das Chartbild Schwäche. Die Aktie notiert 13,65 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 0,67 Euro und 31,80 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,85 Euro. Die annualisierte Volatilität von 43,67 Prozent auf Sicht von 30 Tagen spiegelt die Nervosität wider, mit der Anleger auf jede neue Genehmigungs- oder Baumeldung reagieren.

Vom 52-Wochen-Tief bei 0,42 Euro aus dem September 2025 hat sich die Aktie um 37,68 Prozent erholt. Zum Rekordhoch von 1,59 Euro aus Ende Januar fehlen aber weiterhin fast zwei Drittel. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 123,62 Millionen Euro.

Für Graphite One bleibt es ein Wettlauf zweier Zeitachsen. Die Ohio-Fabrik kann planmäßig Fahrt aufnehmen, während die Mine in Alaska durch das strengere Prüfverfahren länger auf ihre Genehmigung wartet. Ob beide Stränge bis 2029 zusammenfinden, entscheidet sich in den kommenden Prüfungsrunden der US-Behörden.