Graphite One kommt einem zentralen Baustein seiner US-Lieferkette für Grafit näher. Die Umweltbehörde von Ohio hat den Antrag für eine Luftgenehmigung als vorläufig vollständig eingestuft. Das Projekt in Conneaut geht damit in die technische Prüfung über.

Ohio-Werk rückt näher an die Bauphase

Die Einstufung bedeutet: Die Behörde hat alle nötigen Unterlagen erhalten. Jetzt beginnt die detaillierte Prüfung der Umweltauswirkungen. Diese Phase ist Voraussetzung für die finale Genehmigung — und die wiederum Voraussetzung für den Baubeginn.

COO Mike Schaffner wertet die Einstufung als Bestätigung für die Arbeit der Ingenieur- und Genehmigungsteams. Die geplante Anlage soll synthetisches Anodenmaterial herstellen. Dieses Material ist ein Kernbestandteil von Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge und stationäre Energiespeicher.

Zwei Projekte, getrennte Zeitpläne

Graphite One verfolgt eine Strategie, die das Unternehmen selbst als „nicht-linear“ bezeichnet. Das Ohio-Werk soll unabhängig von der Mine Graphite Creek nahe Nome in Alaska zur Produktion kommen. Diese Entkopplung soll frühere Einnahmen ermöglichen, als es ein klassischer Rohstoffprojekt-Zeitplan erlauben würde.

Die erste Ausbaustufe in Ohio zielt auf eine Jahreskapazität von rund 10.000 Tonnen. Eine spätere Erweiterung auf 25.000 Tonnen ist eingeplant. Das Projekt trifft auf einen Markt, in dem die USA bei natürlichem Grafit stark von Importen abhängen — ein Material, das als kritischer Rohstoff für nationale und wirtschaftliche Sicherheit gilt.

Parallel zum Ohio-Projekt stimmt sich Graphite One weiter mit dem US Army Corps of Engineers zu Graphite Creek in Alaska ab. Das Management geht davon aus, dass beide Projekte zusammenlaufen: Sobald die Mine gegen Ende des Jahrzehnts die Produktion aufnimmt, könnte das heimische Grafit direkt in Ohio verarbeitet werden.

Kurs bleibt unter Druck

Die Nachricht aus Ohio gab der Aktie am Donnerstag Auftrieb. Der Kurs stieg um 3,39 Prozent auf 0,5190 Euro. Der Erholungsversuch ändert wenig am Gesamtbild: Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch immer 55,83 Prozent im Minus.

Belastet hatte den Kurs zuletzt vor allem eine andere Entscheidung: Graphite One hatte das Alaska-Minenprojekt in ein umfassenderes Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren überführt. Das verlängert den regulatorischen Zeitplan für dieses Vorhaben spürbar.

Die Entkopplung von Ohio-Werk und Alaska-Mine bekommt dadurch zusätzliches Gewicht. Sollte sich die Genehmigung in Alaska weiter hinziehen, bliebe das Ohio-Projekt als eigenständiger Fortschrittstreiber bestehen. Die nächste technische Prüfungsphase in Conneaut dürfte zeigen, wie schnell sich dieser Weg tatsächlich beschleunigen lässt.