Ein Präsidialdekret aus Washington sorgt bei Graphite One für Erleichterung. Die Aktie legt am Dienstag um ein Prozent zu und notiert bei 0,507 Euro. Nach einem Kursverfall von fast 60 Prozent seit Jahresbeginn ist das ein kleiner, aber bemerkenswerter Lichtblick.
Neue Beschaffungsregeln treffen ins Schwarze
Am Montag unterschrieb die US-Regierung eine Anordnung zur Stärkung der heimischen Rüstungsindustrie. Der Kern: Verteidigungsunternehmen dürfen kritische Rohstoffe wie Graphit künftig nur noch schwerer aus dem Ausland beziehen. Vor allem China ist damit gemeint.
Contractors müssen künftig nachweisen, dass sie alle heimischen oder verbündeten Alternativen ausgeschöpft haben. Zusätzlich müssen sie einen klaren Plan vorlegen, wie sie sich von verbotenen ausländischen Quellen lösen wollen. Graphite One profitiert davon direkt. Das Unternehmen baut als einziger Anbieter eine vollständig integrierte US-Lieferkette auf – vom Bergbau in Alaska bis zur Fertigung in Ohio.
Genehmigungsverfahren in Ohio macht Fortschritte
Parallel zur politischen Kehrtwende kommt Bewegung ins Werksprojekt in Conneaut, Ohio. Die Umweltbehörde des Bundesstaates hat den Antrag auf eine Luftgenehmigung offiziell in die technische Detailprüfung überführt. Das bedeutet: Die eingereichten Unterlagen enthalten alle nötigen Daten für die finale Bewertung.
Die geplante Anlage soll synthetischen Graphit herstellen – unabhängig vom eigenen Bergbaubetrieb. Ab dem vierten Quartal 2027 will Graphite One dort 10.000 Tonnen pro Jahr produzieren. Ein Jahr später soll die Kapazität auf 25.000 Tonnen steigen.
Diese Doppelstrategie hat einen einfachen Grund. Während das große Bergbauprojekt in Alaska noch Jahre bis zur vollen Genehmigung braucht, kann die Fabrik in Ohio deutlich früher Umsatz bringen.
Ausverkauf trifft auf überverkaufte Aktie
Charttechnisch steckt die Aktie tief im roten Bereich. Der 14-Tage-RSI liegt bei 30,2 – ein Wert, der häufig auf eine Stabilisierungsphase oder eine technische Gegenbewegung hindeutet. Zum Jahreshoch von 1,59 Euro im Januar fehlen der Aktie trotz der jüngsten Erholung noch über 68 Prozent.
Das Bergbauprojekt Graphite Creek in Alaska bremst die langfristige Erholung zusätzlich. Zwar unterstützt das Unternehmen den Übergang zu einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung für den Standort. Der Fund indigener Artefakte hat die erwartete Bundesgenehmigung aber auf Ende 2027 verschoben.
Kassenlage bleibt angespannt, aber tragbar
Im März 2026 verfügte Graphite One über eine Kassenposition von rund 29 Millionen US-Dollar, ohne langfristige Schulden. Bei einem jährlichen Cash-Verbrauch von etwa 24 Millionen Dollar bleibt dem Unternehmen ein gewisser finanzieller Spielraum. Die laufenden Ingenieur- und Genehmigungsarbeiten in Ohio werden allerdings weiterhin diszipliniertes Kapitalmanagement erfordern.
Die eigentliche Bewährungsprobe liegt noch vor dem Unternehmen. Bis zum Produktionsstart in Conneaut Ende 2027 muss Graphite One seine Kassenreserven strecken – während die politische Rückenwind aus Washington zumindest die Nachfrageseite für heimischen Graphit stärkt.
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