Grasim Industries will seine Recyclamine-Epoxidtechnologie gemeinsam mit Suzlon in Windturbinen erproben. Gestern vereinbarten Grasims Bereich Advanced Materials, Aditya Birla Renewables und Suzlon dazu ein Pilotprojekt. Für Anleger eröffnet die Zusammenarbeit eine mögliche Anwendung der Technologie in der Windenergie. Eine breitere Vermarktung prüfen die Partner allerdings erst.

Die Grasim-Aktie gewann gestern 1,6%. Der Kursanstieg begleitete damit die Bekanntgabe der Kooperation, deren wirtschaftliche Perspektive zunächst vom geplanten Praxiseinsatz abhängt.

Vom Epoxidharz zum Praxistest

Die Partner unterzeichneten die Absichtserklärung bei der Bharat Renewable Energy Summit & Expo. Laut Grasim soll Suzlon die Recyclamine-Epoxidtechnologie in die Fertigung der Rotorblätter integrieren. Aditya Birla Renewables, kurz ABRen, will anschließend eine entsprechend ausgestattete Turbine an einem ausgewählten Projektstandort einsetzen.

Damit umfasst die Zusammenarbeit sowohl die Herstellung als auch den Betrieb der Anlage. Suzlon übernimmt die Integration in die Blattfertigung. ABRen soll den Einsatz unter realen Betriebsbedingungen ermöglichen. Für Grasim verbindet das Projekt die eigene Materialtechnologie mit einem konkreten Anwendungsfall.

Der technische Ansatz setzt beim späteren Recycling an: Nach Unternehmensangaben ermöglicht die Technologie eine chemische Wiederverwertung und die Rückgewinnung von Verbundmaterialien. Das Pilotprojekt soll diesen Ansatz in Windturbinen zur Anwendung bringen. Vereinbart ist damit zunächst die Erprobung, während die Partner eine breitere Vermarktung gesondert prüfen.

Vermarktung bleibt an weitere Schritte gebunden

Die geplante Prüfung umfasst Indien und weitere gemeinsam vereinbarte Märkte. Für Grasim liegt die mögliche wirtschaftliche Bedeutung deshalb nicht allein im einzelnen Pilotprojekt. Entscheidend wäre eine anschließende Ausweitung der Technologie auf zusätzliche Anlagen und Märkte. Diese Perspektive bleibt vom weiteren Verlauf der Zusammenarbeit abhängig.

Suzlon strebt an, alle künftigen Turbinen innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre recycelbar zu machen. Das beschreibt die Zielrichtung des Partners. Es ist jedoch nicht mit einer bereits beschlossenen flächendeckenden Vermarktung von Grasims Technologie gleichzusetzen. Für die Einordnung der Nachricht ist diese Unterscheidung wesentlich: Das Pilotprojekt ist vereinbart, die breitere kommerzielle Umsetzung wird geprüft.

Finanzzahlen bilden den nächsten Terminanker

Neben der Technologiekooperation meldete Grasim gestern die vollständige Rückzahlung fälliger Commercial Papers über 750 crore Rupien. Die Rückzahlung betrifft die Finanzierung des Unternehmens und ist getrennt vom Pilotprojekt einzuordnen.

Als nächster Termin für die Beurteilung der Geschäftsentwicklung steht der 13. November an. Dann soll der Vorstand die ungeprüften Einzel- und Konzernzahlen für das Quartal und das erste Halbjahr bis zum 30. September prüfen und genehmigen. Die Kooperation liefert somit eine technologische Perspektive; die anstehenden Ergebnisse werden den Blick wieder auf die operative Entwicklung lenken.