Heidelberger Druckmaschinen treibt seinen Umbau zum diversifizierten Technologiekonzern voran. Auf der German Select VIII Conference stellte das Unternehmen am 25. August die Strategie „Driving High-Tech“ vor und benannte Verteidigung, Energiespeicherung, kritische Infrastrukturen und E-Mobilität als neue beziehungsweise erweiterte Geschäftsfelder. Zugleich bestätigte der Konzern, dass die Übernahmen von manroland sheetfed und POLAR abgeschlossen sind.

Drohnenabwehr und Batteriespeicher als neue Standbeine

Bereits am 19. August hatte Reuters berichtet, dass Heidelberg zusammen mit dem ukrainischen Entwickler Skyeton in Lösungen zur Drohnenabwehr einsteigt. Parallel dazu will der Konzern Natrium-Ionen-Batteriespeicher produzieren. Diese Schritte fügen sich in die auf der Konferenz präsentierte Strategie ein und markieren die konkrete Umsetzung des angekündigten Wandels weg vom reinen Druckmaschinenhersteller.

Der Umbau kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Kerngeschäft schwächelt. Vor rund zwei Wochen hatte Heidelberg für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 einen Umsatzrückgang auf 404 Millionen Euro gemeldet, nach 466 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA sackte auf 1 Million Euro ab, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 32 Millionen Euro.

Als Belastung nannte der Konzern unter anderem das Auslaufen eines Förderprogramms in Italien. Trotz des schwachen Auftakts bestätigte das Management die Jahresprognose: Der Konzernumsatz soll auf Vorjahresniveau stabil bleiben, die bereinigte EBITDA-Marge soll sich spürbar verbessern.

Führungswechsel an der Spitze

Zu den strukturellen Veränderungen zählt auch ein Wechsel im Finanzvorstand. Christoph Burkhard wird mit Wirkung zum 1. Oktober zum Vorstandsmitglied ernannt, mehrere Unternehmensmeldungen bestätigten den Schritt am 18. August.

Der neue Vorstand übernimmt damit zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern gleichzeitig seine strategische Neuausrichtung vorantreibt und operativ unter Druck steht – eine Konstellation, die die kommenden Quartale zu einer Bewährungsprobe für das neue Führungsteam macht.

Kursreaktion und Einordnung

Die Aktie honoriert den Strategieumbau bislang mit spürbaren Kursgewinnen: In den vergangenen 30 Tagen legte das Papier um 11 Prozent zu. Am Freitag schloss die Aktie bei 1,54 Euro, ein Plus von 1,7 Prozent auf Tagesbasis. Zum bisherigen Jahreshoch von 2,40 Euro, das am 3. Oktober 2025 markiert wurde, fehlen der Aktie mit einem Abstand von 36 Prozent allerdings weiterhin deutliche Prozentpunkte.

Anleger müssen die widersprüchlichen Signale gegeneinander abwägen: ein operativ schwaches Kernsegment trifft auf ambitionierte neue Wachstumsfelder, deren Beitrag zum Konzernergebnis noch nicht quantifizierbar ist.

Ob Drohnenabwehr, Batteriespeicher und die jüngst integrierten Zukäufe manroland sheetfed und POLAR tatsächlich die versprochene Margenverbesserung liefern, wird sich frühestens in den kommenden Quartalsberichten zeigen. Bis dahin bleibt die Bewertung der Transformationsstrategie eine Frage des Vertrauens in das neu aufgestellte Management.