Boris Pistorius steht in Oberkochen und sagt einen Satz, der aufhorchen lässt: Deutschland liege bei Drohnen längst nicht mehr zurück, sondern führe in Europa. Der Verteidigungsminister eröffnet mit Hensoldt-Chef Oliver Dörre den neuen Optronics-Campus. Die Aktie reagiert am Freitag mit einem Plus von 2,56 Prozent auf 79,26 Euro.

Eine Milliarde Euro für neue Technologie

Hensoldt baut in Oberkochen nicht nur eine neue Halle. Der Konzern investiert zwischen 2025 und 2027 rund eine Milliarde Euro in eigene Technologien und Produktionskapazitäten. Allein in diesem Jahr sollen konzernweit 1600 neue Beschäftigte hinzukommen.

CEO Oliver Dörre macht bei der Eröffnung klar, wohin die Reise geht. „Deutschland muss bis 2029 kriegstüchtig sein“, sagt er. Hensoldt will Sensordaten mit Software und Künstlicher Intelligenz verknüpfen und daraus ein Lagebild für verschiedene militärische Bereiche schaffen.

Der Grund für diesen Fokus: „Software und Daten skalieren eben schneller und besser als klassische Systeme allein“, so Dörre. Am Standort Oberkochen selbst entstehen keine Waffen. Hier baut Hensoldt optisch-elektronische Systeme, mit denen Besatzungen ihre Umgebung beobachten, bei Dunkelheit sehen und Ziele erfassen können.

Der Bund sitzt mit am Tisch

Die Nähe zwischen Hensoldt und dem deutschen Staat wird bei dem Termin sichtbar. Der Bund ist nicht nur Kunde, sondern hält 25,1 Prozent der Aktien. Diese Sperrminorität gibt ihm direkten Einfluss auf zentrale Unternehmensentscheidungen.

Pistorius macht bei seinem Besuch deutlich, worauf es der Bundeswehr ankommt: Qualität allein reicht nicht, die Lieferungen müssen pünktlich kommen. Diese Ansage bekommt Gewicht durch den robusten Auftragsbestand des Konzerns von zehn Milliarden Euro.

Kurs erholt sich, bleibt aber unter altem Hoch

Die Hensoldt-Aktie hat einen turbulenten Weg hinter sich. Vom 52-Wochen-Hoch bei 115,10 Euro Anfang Oktober 2025 ging es um rund 31 Prozent nach unten. Seit dem Jahrestief Ende Juni bei 63,12 Euro hat der Titel jedoch spürbar zugelegt: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von gut 15 Prozent zu Buche.

Der aktuelle Kurs von 79,26 Euro liegt knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 78,88 Euro. Diese Marke gilt als wichtiger Trendindikator – ein Sprung darüber könnte weiteres Kaufinteresse signalisieren. Der relative Stärkeindex von 58,7 zeigt dabei: Von einer überkauften Situation ist die Aktie noch weit entfernt.

Für die kommenden Monate bleiben zwei Faktoren entscheidend. Zum einen die Umsetzung der milliardenschweren Investitionen in Oberkochen, zum anderen der Fortgang der Rüstungsprogramme der Bundeswehr. Beide Linien laufen in Dörres Zielmarke 2029 zusammen – dem Jahr, bis zu dem Deutschland nach seinen Worten kriegstüchtig sein muss.