Hensoldt baut aus. In Oberkochen hat der Sensorik- und Radarspezialist einen neuen Hochtechnologie-Campus eröffnet. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius weihte die Anlage persönlich ein.

Rund 900 Arbeitsplätze für optronische Systeme

Der Neubau bündelt Entwicklung, Fertigung und Integration optronischer Systeme an einem Ort. Rund 900 Beschäftigte finden dort Platz. Hensoldt hat für den Campus etwa 300 Millionen Euro investiert, der Bau begann bereits 2022.

Im neuen Werk entstehen Situational-Awareness-Systeme: Sensortechnik, Periskope für gepanzerte Fahrzeuge und U-Boot-Sehrohre. Pistorius lobte den Schritt deutlich. Hensoldt tue genau das, was die Bundesregierung von der Rüstungsindustrie erwarte: Produktionskapazitäten erhöhen und hochskalieren, um rüstungstechnisch unabhängiger zu werden.

Beim Rundgang zeigte man dem Minister aktuelle Entwicklungen aus der optronischen und radargestützten Aufklärung. Dazu gehörten auch elektromagnetische Kampfführung und KI-basierte Sensordatenfusion. Präsentiert wurden unter anderem das Hochleistungsradar TRML-4D und der MDOcore Battle-Truck.

Volle Auftragsbücher treiben den Ausbau

Der Zeitpunkt der Eröffnung ist kein Zufall. Hensoldt arbeitet aktuell mit voller Auftragsauslastung. Die Nachfrage kommt sowohl von der Bundeswehr als auch von internationalen NATO-Partnern.

Mit dem neuen Campus will Hensoldt seine Rolle als sogenanntes Neo-Systemhaus stärken. Das Unternehmen positioniert sich als Brücke zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite steht die etablierte Verteidigungsindustrie mit ihrer Erfahrung in zertifizierter Entwicklung und verlässlicher Serienfertigung. Auf der anderen Seite die Softwarewelt, die in Wochen statt Jahren liefert.

Aktie nähert sich wichtiger Trendmarke

Die Hensoldt-Aktie schloss zuletzt bei 79,32 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von 15,22 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal, dass der Markt den operativen Fortschritt honoriert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 115,10 Euro bleibt der Titel mit gut 31 Prozent Abstand aber weiterhin klar entfernt.

Charttechnisch bewegt sich die Aktie knapp unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts von 78,78 Euro. Diese Marke gilt unter Marktbeobachtern als wichtige Trendlinie. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei 53,48 Prozent – der Titel bleibt damit trotz des jüngsten Anstiegs schwankungsanfällig.

Der Kapazitätsausbau in Oberkochen dürfte für Investoren ein weiterer Baustein der mittelfristigen Umsatzentwicklung sein. Ob sich der Kurs oberhalb der 200-Tage-Linie festigen kann, hängt auch von neuen Auftragsmeldungen aus dem NATO-Umfeld ab.