Hensoldt hat ein Kursproblem, aber bislang kein Auftragsproblem. Am Freitag verlor die Aktie 0,2 % auf 75,86 Euro, nachdem sie bereits am Donnerstag um gut 4,1 % gefallen war. Der Abwärtstrend blieb damit bestehen. Den durchschnittlichen Analystenzielen von rund 96 Euro fehlen vom aktuellen Kurs aus dagegen gut 20 Euro beziehungsweise rund 26,5 %.
Die Börse beurteilt Rüstungsaktien derzeit zurückhaltender. Ein wichtiger Punkt ist der notwendige Kapazitätsausbau: Die hohen Bestellungen müssen in zusätzliche Produktion umgesetzt werden. Hensoldt selbst verwies Ende Juli darauf, Fertigungs- und Logistikkapazitäten auszubauen. Der Auftragsbestand hatte im ersten Halbjahr mit 10,356 Milliarden Euro erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro überschritten.
Softwaregeschäft wird ausgebaut
Die operative Entwicklung lieferte dafür eine starke Grundlage. Der Auftragseingang verdoppelte sich nahezu von 1,405 auf 2,812 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 23,6 % auf 1,167 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA um 28,5 % auf 137 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigte Hensoldt 2,75 Milliarden Euro Umsatz.
Neben Radar- und Sensorsystemen baut der Konzern sein Softwaregeschäft aus. Anfang September erhielt Hensoldt einen Auftrag über 15 Millionen Euro zur Weiterentwicklung von Optarion. Das System verbindet unter anderem Bundeswehr-Hubschrauber mit digitalen Führungs- und Informationssystemen.
Ebenfalls im September wurde die Arbeit an MDOCore stärker öffentlich. Gemeinsam mit Helsing entwickelt Hensoldt eine Plattform zur Verarbeitung militärischer Daten in Echtzeit. Das System wurde in Fürstenfeldbruck im Umfeld einer Bundeswehr-Ausschreibung getestet; insgesamt sind dort rund 30 Unternehmen im Rennen. Ein erster Bundeswehr-Prototyp ist für 2027 vorgesehen.
Älter ist dagegen das Geschäft mit dem indischen Lufttaxi e200X. Der feste Auftrag der ePlane Company stammt vom 31. August. Hensoldt liefert dafür Avionik für Navigation, Lageerfassung und sichere Datenverbindungen. Das Projekt erweitert das Geschäft außerhalb der klassischen militärischen Anwendungen, befindet sich aber noch vor Flugtests und Zulassung.
Für die Aktie bleibt damit eine deutliche Lücke zwischen Börsenkurs und Analystenzielen. Bei 75,86 Euro steht dem ein Auftragsbestand von 10,356 Milliarden Euro gegenüber. Entscheidend für die Geschäftsentwicklung wird, wie schnell Hensoldt diesen Bestand mit zusätzlichen Kapazitäten in Umsatz und Ergebnis umsetzen kann.
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