Die strategische Neuausrichtung des Essener Baukonzerns Hochtief auf margenstarke und technologisch anspruchsvolle Projekte zahlt sich zunehmend in den Büchern aus. Besonders der Ausbau von Rechenzentren für Tech-Giganten und die starke Positionierung auf dem US-Markt bestimmen derzeit das Profil des Unternehmens.

Während klassische Bauprojekte weiterhin das Fundament bilden, treiben digitale Infrastruktur und komplexe Logistikprojekte das Wachstum und die Profitabilität voran.

Rekordauftragsbestand durch Digitalisierungsschub

Ein zentraler Pfeiler dieser Entwicklung ist die rasant wachsende Nachfrage nach Kapazitäten für Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Vor rund einem Monat meldete der Konzern, dass sich die Aufträge im Bereich der Rechenzentren innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt haben. Zu den jüngsten Projekten gehören signifikante Vorhaben für Meta in Nordamerika sowie ein neuer Auftrag von NTT Global Data Centers für den Bau eines Rechenzentrums in Berlin mit einer Kapazität von 36 Megawatt, der Anfang Juli bekannt gegeben wurde.

Diese Spezialisierung spiegelt sich in einem Rekordwert beim Auftragsbestand wider, der zum Ende des ersten Halbjahres 2026 auf 84,8 Milliarden Euro kletterte – ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auch der Umsatz legte in den ersten sechs Monaten um 10 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro zu, während der operative Nettogewinn um 35 Prozent auf 480 Millionen Euro stieg. Medienberichten zufolge kletterten die Neuaufträge währungsbereinigt um 25 Prozent auf 31,5 Milliarden Euro.

Starkes US-Geschäft und Expansion in Australien

Besonders die US-Tochter Turner erweist sich als Ertragsperle innerhalb des Konzerns. Das Management erhöhte vor rund einem Monat die operative Gewinnprognose für die Tochtergesellschaft auf 1,400 bis 1,460 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 35 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Parallel dazu festigt Hochtief seine Marktstellung im pazifischen Raum: Die australische Tochter CIMIC erwarb Anfang Juli die restlichen Anteile an dem Bergbaudienstleister Thiess und hält nun 100 Prozent der Anteile.

Auf Konzernebene führte diese positive Dynamik dazu, dass die Guidance für den operativen Nettogewinn im Gesamtjahr 2026 angehoben wurde. Das Unternehmen peilt nun eine Spanne von 1,025 bis 1,100 Milliarden Euro an, nachdem zuvor 950 Millionen bis 1,025 Milliarden Euro erwartet worden waren. Dies entspräche einem Wachstum von 30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Marktstimmung und Analysteneinschätzung

Trotz der operativen Erfolge zeigte sich der Kapitalmarkt in den vergangenen Wochen etwas zurückhaltender. Der Schlusskurs Gestern (Mittwoch) lag bei 423,80 €, womit das Papier unter seinem im Mai erreichten Jahreshoch notiert. Der aktuelle Kurs impliziert einen Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 3,0%.

Analysten beobachten die Entwicklung mit Blick auf die allgemeine Sektorbewertung. Ende Juli senkte Analyst Graham Hunt von Jefferies das Kursziel für Hochtief von 508 auf 493 Euro und beließ die Einstufung auf „Hold“. Obwohl die Ertragskennziffern erneut über den Erwartungen lagen, verwies das Analysehaus auf eine damals verschlechterte Stimmung im Bereich der KI-Infrastruktur, die zu einer Abwertung des gesamten Sektors geführt habe.

Dennoch verzeichnete der Wert seit Jahresanfang (YTD) ein Plus von 27%. Anleger richten ihren Fokus nun auf die kommenden Geschäftszahlen: Hochtief plant die Veröffentlichung der Bilanz für das dritte Quartal am 5. November.