Die australische Tochtergesellschaft Leighton Asia hat den Zuschlag für Bauleistungen an einem Rechenzentrumsprojekt in Thailand erhalten. Das teilte Hochtief am 17. Juli 2026 mit. Es ist bereits der vierte bedeutende Infrastrukturauftrag, den eine Hochtief-Tochter innerhalb von zehn Tagen an Land zieht.

Auftragsserie im Rechenzentrumsgeschäft

Den Auftakt der jüngsten Serie markierte die US-Tochter Turner Construction: Sie bestätigte am 16. Juli die Erweiterung des Meta-KI-Campus in Richland Parish, Louisiana, auf eine IT-Kapazität von 5 Gigawatt. Das Projekt umfasst nach Angaben aus Ingenieur-Fachkreisen eine Gebäudefläche von knapp 930.000 Quadratmetern. Am selben Tag sicherte sich die CIMIC-Tochter CPB Contractors die erste Bauphase der Toowoomba-Warwick-Pipeline in Australien. Bereits am 7. Juli hatten sich Hochtief Infrastructure und die Turner-Tochter Dornan einen Auftrag für ein 36-Megawatt-Rechenzentrum für NTT Global Data Centers in Berlin gesichert. Mit dem Zuschlag für das Rechenzentrumsprojekt in Thailand reiht sich Leighton Asia nun in diese Auftragskette ein.

Der Datacenter-Boom trifft bei Hochtief auf ein Portfolio, das zuletzt auch durch Übernahmen gewachsen ist. Anfang Juli schloss die Tochtergesellschaft CIMIC die vollständige Übernahme der Thiess Group Holdings ab und erwarb die verbleibenden 50 Prozent der Anteile von Elliott Advisors für 1,18 Milliarden australische Dollar. Zuvor hatte der Konzern im ersten Quartal 2026 einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 14 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro sowie einen um 30 Prozent auf 217 Millionen Euro gestiegenen operativen Nettogewinn ausgewiesen. Am 22. Juni wurde Hochtief zudem offiziell in den DAX aufgenommen. Anfang Juli zahlte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 6,60 Euro pro Aktie aus, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kurs gibt trotz Auftragsflut nach

An der Börse spiegelt sich die Nachrichtendichte zuletzt nicht in steigenden Kursen wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 453,20 Euro und verlor auf Tagessicht 2,03 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier 10,52 Prozent eingebüßt und damit deutlicher korrigiert als über die vergangene Woche, in der es nur leicht nachgab. Vom 52-Wochen-Hoch von 554,50 Euro, erreicht am 6. Mai 2026, trennen die Aktie inzwischen 18,27 Prozent. Auf Jahressicht bleibt mit einem Plus von 35,45 Prozent seit Jahresbeginn dennoch eine deutliche Wertsteigerung stehen. Der Relative-Stärke-Index von 39,8 signalisiert dabei keine überkaufte, sondern eher eine abgekühlte Marktlage.

Analysten mit verhaltener Reaktion

Die jüngsten Einstufungen fielen zurückhaltend aus. Jefferies-Analyst Graham Hunt hob am 15. Juli sein Kursziel für Hochtief von 494,00 auf 508,00 Euro an, beließ die Einstufung aber bei „Hold“. Einen Tag zuvor hatten die Analysten von Bernstein Research die Einstufung „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 532,60 Euro bestätigt. Beide Kursziele liegen über dem aktuellen Kursniveau, spiegeln aber keine ausgeprägte Kaufempfehlung wider.

Halbjahresbericht als nächster Termin

Für den 27. Juli hat Hochtief die Veröffentlichung des Halbjahresberichts für den Zeitraum Januar bis Juni 2026 angesetzt, begleitet von einer Analysten- und Investorenkonferenz. Angesichts der Vielzahl neuer Aufträge im Datacenter- und Infrastrukturbereich dürfte die Entwicklung des Auftragsbestands im Mittelpunkt des Interesses stehen. Ob sich die operative Dynamik aus dem ersten Quartal fortsetzt, wird sich an diesem Termin zeigen.