IBM richtet sein Geschäftsmodell massiv auf Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) aus und setzt dabei auf eine tiefgreifende Zusammenarbeit mit führenden Branchengrößen.

Am Donnerstag gab das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit OpenAI bekannt, um Unternehmenskunden bei der Skalierung von KI-Lösungen zu unterstützen. Diese Kooperation ist Teil einer breiteren Offensive, die auch neue Infrastruktur-Deals und eine Ausweitung der globalen Vertriebswege umfasst.

Integration von GPT-5.6 und Infrastruktur-Deal

Im Zentrum der neuen Partnerschaft mit OpenAI steht die Integration modernster Sprachmodelle in das Portfolio von IBM Consulting Advantage. Dazu gehören unter anderem GPT-5.6, Codex und ChatGPT Work.

Laut Unternehmensangaben beabsichtigen beide Partner, KI-Angebote gemeinsam zu vermarkten und branchenspezifische Lösungen zu entwickeln. Diese sollen insbesondere in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Einzelhandel und im öffentlichen Sektor zum Einsatz kommen.

Parallel dazu treibt IBM den Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur voran. Am Dienstag unterzeichnete der Konzern eine mehrjährige Vereinbarung mit dem Startup Together AI über ein Volumen von 240 Millionen US-Dollar.

Ziel ist der Aufbau eines groß angelegten KI-Clusters auf der IBM Cloud, der auf Nvidia-Systemen basiert. Diese Investition unterstreicht das Bestreben, die notwendige Rechenleistung für komplexe KI-Modelle in der eigenen Cloud-Umgebung bereitzustellen.

Globale Expansion und Kapitalmarkt-Aktivitäten

Flankiert werden diese technologischen Schritte durch eine Erweiterung der globalen Präsenz. Der Distributor TD SYNNEX gab am Dienstag bekannt, die Zusammenarbeit mit IBM auf 20 zusätzliche Länder in Europa, Lateinamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum auszudehnen. Dies soll den Zugang zu IBM-Technologien in diesen Märkten deutlich verbessern.

Auch am Kapitalmarkt zeigt sich das Unternehmen aktiv. Am 10. August kehrte IBM nach 14-jähriger Abwesenheit auf den kanadischen Anleihenmarkt zurück und emittierte sogenannte Maple Bonds im Wert von 2,75 Milliarden kanadischen Dollar (rund 1,97 Milliarden US-Dollar).

Die Mittel wurden über Tranchen mit Laufzeiten von vier und acht Jahren aufgenommen. Zudem bestätigte das Board of Directors am 10. August eine reguläre Quartalsdividende von 1,69 US-Dollar je Aktie.

Geschäftsverlauf und Marktreaktion

Die technologische Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund gemischter Quartalsergebnisse. Am 22. Juli legte IBM die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, bei denen sowohl der Umsatz mit 17,16 Milliarden US-Dollar als auch der bereinigte Gewinn je Aktie von 2,93 US-Dollar leicht hinter den Erwartungen zurückblieben.

Während das Software-Segment ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 7,76 Milliarden US-Dollar verzeichnete, ging der Bereich Infrastruktur um 7 Prozent zurück. Besonders deutlich war der Rückgang bei den Z-Mainframe-Umsätzen, die um 42 Prozent einbrachen.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management weiterhin mit einem Umsatzwachstum zwischen 4 und 5 Prozent auf währungsbereinigter Basis. Zur Stärkung der technologischen Basis trug zudem die am 23. Juli angekündigte Übernahme der HRL Laboratories bei, mit der IBM seine Kompetenzen im Bereich Quantum Computing sowie bei Silizium-Spin-Qubits und fortschrittlicher Elektronik erweitert.

An der Börse spiegeln sich die Herausforderungen der Transformation wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 203,00 Euro. Damit verzeichnet der Wert seit Jahresbeginn ein Minus von 22 Prozent. Das Papier notiert aktuell rund 12 Prozent unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.