IBM verkauft fast 1.000 Blockchain-Patente an den Stablecoin-Anbieter Circle. Der Deal macht Circle zum größten Halter solcher Patente in den USA — und liefert IBM einen seltenen Lichtblick in einer schwierigen Phase.
Die IBM-Aktie schloss am Donnerstag bei 192,24 Euro, ein Minus von 2,89 Prozent. Der Kurs bleibt damit 34,36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro aus dem Juni. Seit dem Tief von 175,14 Euro im Juli hat sich das Papier zwar leicht erholt, von Stabilität kann aber keine Rede sein.
Circle sichert sich IBMs Patent-Schatz
Der Deal umfasst mehr als 680 Patentfamilien und knapp 1.000 erteilte Patente weltweit. Sie decken Blockchain-Technologie, Banking, Versicherungen und Cloud-Sicherheit ab. Finanzielle Details nannten beide Unternehmen nicht.
Circle will die Patente für seinen Stablecoin USDC nutzen, für die eigene Arc-Blockchain und für Finanztools, die auf künstliche Intelligenz setzen. Auch das Circle Payments Network soll von dem Portfolio profitieren. Beide Firmen kündigten an, weitere gemeinsame Geschäftsfelder zu prüfen.
IBM zählte schon vor dem Verkauf zu den größten Haltern von Blockchain-Patenten in den USA. Eine Analyse des Patentdienstleisters PatSnap vom Dezember 2025 bezifferte den Bestand auf 790 Patente — neben IBM lagen dort auch Advanced New Technologies und Bank of America vorn. Aufgebaut hatte IBM dieses Polster seit seinem Blockchain-Vorstoß Mitte der 2010er-Jahre.
Sarah Wilson, General Counsel und Corporate Secretary bei Circle, nannte geistiges Eigentum entscheidend für die Mission des Unternehmens. IBM sei ein Pionier technologischer Innovation gewesen, so Wilson. Die Übernahme erweitere Circles Fähigkeit, die Infrastruktur für internetbasiertes globales Finanzwesen voranzutreiben.
Der Verkauf zeigt, wie etablierte Technologiekonzerne ungenutztes geistiges Eigentum zu Geld machen — gerade jetzt, wo Blockchain- und Stablecoin-Infrastruktur wieder verstärkt Kapital anzieht. Für IBM ist das ein kleiner, aber sichtbarer Baustein, um abseits des Kerngeschäfts Wert zu heben.
Aktie verarbeitet weiter den Gewinnschock
Der eigentliche Belastungsfaktor für die Aktie liegt woanders. Mitte Juli war das Papier nach enttäuschenden vorläufigen Quartalszahlen um 25 Prozent eingebrochen — der schlechteste Handelstag in der Firmengeschichte. Seither kämpft der Kurs um Stabilisierung.
Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 85,90 Prozent annualisiert. Das zeigt: Ruhe ist an der Börse für IBM derzeit die Ausnahme. Der RSI von 39,4 deutet auf ein bärisches, aber noch nicht überverkauftes Marktumfeld hin.
Dividende bleibt trotz Turbulenzen bestehen
Parallel zu den offiziellen Quartalszahlen bestätigte der IBM-Vorstand die reguläre Quartalsdividende von 1,69 US-Dollar je Aktie. Zahltag ist der 10. September 2026, Stichtag für die Berechtigung der 10. August. Damit zahlt IBM seit 1916 ununterbrochen jedes Jahr eine Dividende aus — eine der längsten Serien im US-Aktienmarkt.
Beim Ausblick zeigte sich das Management vorsichtig optimistisch. IBM rechnet nun mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent. Der freie Cashflow soll im Gesamtjahr um rund eine Milliarde US-Dollar steigen.
Der Circle-Deal liefert IBM einen zusätzlichen Beweis dafür, dass sich Wert auch abseits des Kerngeschäfts mit Software und Infrastruktur heben lässt. Ob das reicht, um das verlorene Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt vor allem davon ab, ob das Management seine für die zweite Jahreshälfte versprochene Dynamik bei neuen Geschäftsabschlüssen tatsächlich liefert.
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