IBM trennt sich von einem großen Teil seines Blockchain-Patentportfolios. Käufer ist Circle Internet Group, bekannt vor allem durch den Stablecoin USDC. Der Markt reagiert kaum – und das sagt viel über die Lage von IBM gerade aus.

Circle sichert sich Hunderte Patentfamilien

Circle gab die Übernahme am 27. Juli 2026 bekannt. Das Paket umfasst mehr als 680 Patentfamilien und knapp 1.000 erteilte Patente weltweit. Sie decken Blockchain-Grundlagentechnologie ab, dazu Anwendungen in Banking, Versicherungen, Lieferkettenprüfung und sicherem Cloud-Betrieb.

Über den Kaufpreis schweigt Circle. Das Unternehmen betont aber, durch den Deal zum größten Halter blockchain-bezogener Patente in den USA zu werden. Circles General Counsel Sarah Wilson erklärte, IBM sei ein Pionier der Technologie-Innovation gewesen. Die Übernahme erweitere Circles Fähigkeit, die Infrastruktur für internetbasierte, globale Finanzsysteme voranzutreiben.

Beide Unternehmen wollen künftig weitere Geschäftspartnerschaften prüfen. Warum sich IBM von diesem Portfolio trennt, blieb offen. Auch ob laufende Lizenzvereinbarungen Teil des Deals sind, verrieten beide Seiten nicht.

Der Markt zuckt nur mit den Schultern

Die IBM-Aktie legte nach der Ankündigung um 1,6 Prozent zu – für ein Unternehmen, das laut Patentanalyst PatSnap bis Dezember 2025 mit 790 US-Blockchain-Patenten die Konkurrenz weit hinter sich ließ, ein mageres Signal. Bank of America folgte mit gerade einmal rund 200 Patenten auf Platz zwei.

Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 189,52 Euro, ein Plus von 0,57 Prozent auf Tagessicht. Auf Jahressicht bleibt davon wenig übrig: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 27,08 Prozent zu Buche. Der Kurs liegt rund 35 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro, das IBM Anfang Juni erreichte.

Seit dem 52-Wochen-Tief von 175,14 Euro am 23. Juli hat sich die Aktie etwas stabilisiert. Der RSI von 36,3 signalisiert aber weiterhin eine überverkaufte Situation nach wochenlangem Abgabedruck.

Ein Rekordabsturz als Vorgeschichte

Der Patentverkauf fällt in eine schwierige Phase. Am 14. Juli brach die IBM-Aktie um 25,2 Prozent ein – der größte Tagesverlust in der 115-jährigen Firmengeschichte. Auslöser war eine Warnung von CEO Arvind Krishna: Das laufende Quartal laufe schlechter als erwartet, das Unternehmen habe sich zu langsam an steigende Chipkosten angepasst.

Eine Woche später bestätigten die offiziellen Zahlen die Befürchtungen. IBM senkte seine Prognose für 2026 und blieb selbst unter den bereits gedämpften Erwartungen der Analysten. Der Infrastruktur-Umsatz fiel um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar. Besonders hart traf es das Mainframe-Geschäft mit der Z-Reihe: Hier brach der Umsatz um 42 Prozent ein.

Die Vorwarnung zieht inzwischen auch juristische Konsequenzen nach sich. Behörden prüfen, ob IBM seine Verkaufspipeline vor der Ankündigung am 14. Juli beschönigt hat. Ein Fehlverhalten ist damit nicht erwiesen, mehrere Kanzleien haben aber bereits Untersuchungen im Namen von Aktionären angekündigt.

Analysten kappen Kursziele

Susquehanna senkte sein Kursziel und stufte die Aktie auf „Hold“. Auch Citi strich sein Kursziel nach der Telefonkonferenz zusammen. Beide Häuser reagieren damit auf ein Management, das eingeräumt hat: Kunden verschieben Investitionen zunehmend in Richtung KI-Infrastruktur – und das trifft IBMs Software- und Hardwaregeschäft härter als gedacht.

Ausblick

Der Patentverkauf bringt IBM kurzfristig Kapital aus altem geistigem Eigentum, während der Konzern um das Vertrauen der Investoren in sein Kerngeschäft kämpft. CEO Krishna verweist darauf, dass ein Drittel der im zweiten Quartal verschobenen Großaufträge inzwischen zurückgekehrt sei. Ob sich das in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich in besseren Zahlen niederschlägt, entscheidet darüber, ob die Aktie zu ihren gleitenden Durchschnitten zurückfindet oder in der Nähe der Jahrestiefs verharrt.