IBM zieht sich aus einer über zehn Jahre alten Beteiligung an einem der größten europäischen Bankgeschäfte zurück. Accenture übernimmt die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen, das für die Technik-Infrastruktur von UniCredit zuständig ist. Für IBM markiert das einen Rollenwechsel: weg vom Miteigentümer, hin zum reinen Technologielieferanten.

Accenture übernimmt IBMs Rolle bei UniCredit

Im Zentrum steht V-TServices. IBM und die UniCredit-Tochter UBIS gründeten das Joint Venture 2013. Seither steuert es die Technik-Infrastruktur der Bank across Europa. IBM hielt bislang 51 Prozent der Anteile, UBIS 49 Prozent.

Das ändert sich jetzt. Accenture wird neuer Co-Eigentümer und übernimmt den operativen Betrieb von V-TServices. Der Berater kümmert sich künftig um Cloud-Dienste, Datenmanagement und künstliche Intelligenz für UniCredit — und das in einem Netzwerk aus 13 europäischen Ländern.

IBM bleibt trotzdem im Spiel. Der Konzern liefert weiterhin Technologie-Plattformen, darunter IBM Z-Hardware und die zugehörige Software. Damit wird IBM vom Mitinhaber zum Zulieferer für eine Bank, die weltweit über 20 Millionen Kunden betreut. Der Abschluss der Transaktion hängt noch von behördlichen Genehmigungen ab.

IBM-Managerin Ana Paula Assis, Senior Vice President und Chair für EMEA & APAC, wehrt sich gegen die Lesart eines Rückzugs. Die vertiefte Zusammenarbeit mit UniCredit bei Technologie und Beratung zeige ein gemeinsames Bekenntnis zu Innovation und Transformation, so Assis. Moderne Infrastruktur kombiniert mit der Hybrid-Cloud-Architektur von UniCredit schaffe eine technologische Basis für langfristiges Wachstum der Bank.

Die Vereinbarung ist der Startpunkt eines mehrjährigen Programms. Ziel ist es, die IT-Systeme und das Betriebsmodell der Bank grundlegend zu erneuern.

Aktie kämpft mit den Nachwirkungen der Gewinnwarnung

Die UniCredit-Nachricht erreicht Investoren mitten in einer schwierigen Phase für IBM-Aktionäre. Die Aktie notiert bei 197,40 Euro und liegt damit 32,59 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro, erreicht am 1. Juni. Zum Vorjahreszeitraum steht ein Minus von 24,05 Prozent seit Jahresbeginn.

Kurzfristig zeigt sich allerdings eine Gegenbewegung. Über die vergangene Woche legte der Kurs um 4,21 Prozent zu. Das ändert wenig am größeren Bild: Auf Monatssicht bleibt ein Rückgang von 21,43 Prozent stehen, und mit einer annualisierten Volatilität von 84,41 Prozent handelt das Papier weiterhin außergewöhnlich unruhig.

Der Deal mit UniCredit liefert damit einen neuen Baustein für IBMs Software-und-Beratungsstrategie. Der Konzern versucht, Märkte davon zu überzeugen, dass das Kerngeschäft robust bleibt — auch wenn er sich von einer historischen Beteiligung löst und stattdessen auf die Rolle als Plattform- und Servicepartner setzt.